Gestern hat ÖVP-Chef Kurz in seinem ORF-Sommergespräch gemeint, dass die freiwilligen HelferInnen mit ihrer Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen im Herbst 2015 „ihr eigenes Gewissen beruhigen wollten“. Mit anderen Worten, ihre Hilfe wäre keine humane Geste, sondern ein selbstbezogene Handlung mit egoistischen Motiven gewesen.

Dieser verächtlichen Sichtweise muss widersprochen werden. Nein, die Freiwilligen waren keine Egoisten. Sie haben in Wahrheit Österreich eine humanitäre Blamage erspart. Das Innenministerium und Integrationsminister Kurz waren schlicht nicht vorbereitet und gar nicht in der Lage ohne Hilfsorganisationen und Freiwillige die Flüchtenden zu versorgen. Ohne freiwillige Essensspenden und helfenden Händen wäre die Unfähigkeit der schwarzen Regierungsbürokratie schonungslos offengelegt worden.

Kurz sollte eigentlich Danke sagen. Freiwilliges humanitäres Engagement, welcher Art auch immer macht den Menschen zum Menschen. Auch im Asyl- und Integrationsbereich. Ich bin froh, dass es die pensionierte Lehrerin gibt, die in ihrer Freizeit mit syrischen Kindern lernt. Ich bin beeindruckt über LehrerInnen, die ein Schulfest organisieren, um damit Geld für die Schulausflüge der Flüchtlingskinder zu sammeln. Es ist gut, dass es das Ehepaar gibt, die einer Flüchtlingsfamilie helfen. Sie leisten alle eine Beitrag, dass Integration funktioniert. Danke! Wer das abwertet, fördert eine ichbezogene Gesellschaft ohne Solidarität und Zusammenhalt.

6 Kommentare bis jetzt.

  1. Barbara Doppler sagt:

    Herr Kurz begreift es nicht! Menschen helfen ist ein Akt der Menschlichkeit. Ich bin weder am Elend der Flüchtlinge schuld, noch an der Situation der Herkunftsländer. Warum sollte ich mein Gewissen daher beruhigen wollen????? Ich helfe, weil ich einem Flüchtling hier helfen will sich hier ein Leben aufzubauen und endlich in Frieden leben zu können.
    Ich möchte nicht zusehen wie Abschiebungen Leben zerstören und wir auch noch rd. 14 Mrd. Euro Steuergeld als Kopfgeld nach Afghanistan bezahlen. Diese enorme Summe könnte hier für Bedürftige wesentlich sinnvoller verwendet werden!
    Diese Summe sollten sich alle durch den Kopf gehen lassen, die jeden Cent Mindestsicherung neidig sind!

  2. Otto Jochen SIMON sagt:

    Lieber Herr Steinhauser!

    Ich bin einer von denen, die Herr Kurz verunglimpft hat und ich danke Ihnen sehr für diese Klarstellung.

    Herr Kurz ist seit sechs(!) Jahren für den Bereich „Integration“ politisch verantwortlich. Und was sind seine Ergebnisse? Sogar er selbst beklagt „mangelnde Integration“.
    Doch anstatt vernünftige Vorschläge für die Zukunft zu machen, diffamiert er diejenigen, die unbezahlt und häufig unbedankt dafür sorgen, dass ganz viele kleine Fortschritte erzielt werden.

    Otto Jochen SIMON

  3. Gabi Oberndorfer sagt:

    Danke, Herr Steinhauser, für Ihren Kommentar. Da auch ich mich seit dem Herbst 2015 in einer örtlichen Flüchtlingsinitiative engagiere, fand ich die Worte von Kurz unglaublich frech. Ich hielt mich im Sommer 2015 für einen Familienbesuch 6 Wochen in Indien auf und sah von dort aus die Bilder aus Österreich. Frauen und kleine Kinder, die in einem der reichsten Länder der Welt tagelang im Freien schlafen müssen, etc. Ich habe mich für unsere Regierung und die öffentlichen Stellen geschämt. Und das war einer der Gründe, warum ich helfen wollte und es immer noch tue. Natürlich ist jegliches freiwillige Engagieren immer eine Riesenbereicherung für den Helfenden. Egal in welchem Bereich. Das ist auch gut so, denn ohne die Freiwilligen würde ja nichts funktionieren , auch in vielen anderen Bereichen.
    Dass gerade der Integrationsminister (!) denen, die sich für Integration einsetzen, dies vorwirft, ist ungeheuerlich.

  4. Claudia sagt:

    D A N K E. für diesen Artikel!!!!

  5. Frau Malina Christine sagt:

    Was kann man von jemandem erwarten, der in seinem Leben noch nie etwas anderes gelernt hat als „Politik“, der mit 24 und ohne abgeschlossene Ausbildung ein Gehalt bezogen hat, von dem die meisten nicht einmal träumen können und der wohl in seinem ganzen Leben noch nie etwas uneigennützig geleistet hat?
    Wenn sich die Mehrheit der Österreicher/innen so einen egozentrischen Despoten zum Bundeskanzler wählen wollen, ist uns wirklich nicht mehr zu helfen. Wird dieses Land jemals aus seiner Geschichte lernen?

  6. Burglinde P. sagt:

    Habe in Spielfeld keinen Herrn Kurz gesehen, auch Johanna kam nicht, damals im Herbst 2015. Aber hunderte Kinder, barfuß, Babys ohne Sockerl, eiskalten Händchen, Husten, Fieber….weinende verzweifelte Mütter, Väter, die ihre Kinder suchten, zerbrochene Handys, mit denen sie den Kontakt zu ihren Familien herstellten könnten, verzweifelte Menschen, soweit das Auge reichte. Nein, ich habe nicht egoistisch gehandelt, wie Herr Kurz meint, ich habe meine Pflicht als Mensch getan. Als Christin, die anderen in Not geratenen geholfen hat und bis heute weiter hilft.

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