Warum die Ablehnung von Parteien keine Antwort ist

Der Kabarettist Roland Düringer will mit einer eigene Liste bei den Parlamentswahlen antreten. Parteien braucht er nicht mehr, wie er sagt. Demokratie scheinbar auch nicht. Seine KandidatInnen werden von ihm gecastet und dann die Reihenfolge verlost. Inhalte und politische Positionen dürften wenig Rolle spielen. Aber auch ÖVP-Parteiobmann Sebastian Kurz will plötzlich mit einem Etikettenschwindel eine Bürgerbewegung anführen. Die KandidatInnen will der Parteiobmann aber lieber alleine aussuchen. Auch Peter Pilz, der über eine eigene Kandidatur nachdenkt, sucht mögliche KandidatInnen in handverlesenen Gesprächen aus. Eine Partei will er sicher nicht gründen.

Noch nie wurden BürgerInnen so oft im Mund geführt. Aber wo sind die großen Bürgerforen, die Kandidatinnen wählen und Inhalte festlegen? Meist geben Einzelpersonen den Ton an, die sich von Parteien „befreien“ wollen, um alleine zu entscheiden. Trotzdem sagen die Art und Weise wie Kurz, Pilz oder Düringer kandidieren etwas aus. „Antipartei“ wird als schik empfunden. Das sollte die Alarmglocken zum Schrillen bringen. Parteien mit ihren Inhalten waren immer die kleinste Zelle der Demokratie mit allen Stärken und Schwächen. Menschen haben sich für eine Idee zusammengeschlossen und gemeinsam entschieden. Jedes andere System bringt auf lange Sicht ausschließlich Glücksritter, Millionäre und Selbstdarsteller nach oben.

Die Abschaffung der Parteien ist eine untaugliche Antwort auf die Parteienverdrossenheit. Parteien werden als lästig und demokratische Entscheidungen als Mühsal empfunden. In Wahrheit braucht es mehr Demokratie in den Parteien, auch wenn wir damit gerade keine einfachen Erfahrungen gemacht haben. Bei den Grünen werden alle KandidatInnen demokratisch gewählt. Bei den Landeslisten sind alle Mitglieder stimmberechtigt, manchmal sogar schon SympathisantInnen. Am Bundeskongress wählen frei gewählte Delegierte. Entscheidungen sind schwer steuerbar und Ergebnisse sorgen dann für Diskussionen. Aber auch das ist Teil der demokratischen Kultur.

5 Kommentare bis jetzt.

  1. Thomas sagt:

    Ich stimme dir vollkommen zu: bei aller Kritik, und auch die entstehenden Diskussionen können manchmal mühsam sein, aber genau das macht ja Demokratie aus – darüber reden und gemeinsam entscheiden.

  2. Brigitta Mayr sagt:

    Es scheint, dass sich viele Leute von der „one-man-show“ – (woman war noch keine dabei) verleiten lassen. Der starke Mann ist gefragt. Was da rauskommt wissen geschichtlich Interessierte, der Rest schreit nach schneller Veränderung. Was sie da derzeit in der Türkei kriegen, sollte doch die Leute wachrütteln. Demokratieverständnis sollte in der Schule gelernt werden – aber in der Grundschule. Da aber dort auch die Lehrer den Ton vorgeben und die Kinder keinen Einfluss auf irgendwas haben, hat sich das so entwickelt und es werden einfach viele Dinge gar nicht mehr hinterfragt. Und der Hausverstand ist leider zum Billa abgewandert.

  3. auch mal grün gewählt sagt:

    Die kleinste Zelle der Demokratie ist die Partei????

    Nein mein lieber Hr. Steinhauser. Die kleinste Zelle der Demokratie ist der Wähler. Und der wird Euch bei der kommenden Wahl abwatschen, dass es bis nach Tirol zur Felipe wummern hörst. Nach Wien traut sich die Dame ja offensichtlich nur selten.

    Vor einigen Monaten hab ich hier mal geschrieben, dass wenn sich die Grünen nicht ändern, die 4 % Schrumpfung droht.
    Wenn Pilz antritt, könnt Ihr froh sein diese Hürde überhaupt zu schaffen.

    Von Demokratie verstehen die Grünen scheinbar nix mehr. Sonst würden BINDENDE Abstimmungen der Basis nicht einfach ignoriert werden können (Heumarkt)
    Und in Kärnten und Tirol, werden partei-interne Wahlen mit sprunghaft angestiegener Wählerzahl durchgezogen (ein Schelm wer böses denkt) und das ganze als basisdemokratisch und gelebte Integration verkauft.

    Ihr bettelt ja geradezu, dass Euch der Wähler abstraft.

    Eigentlich unglaublich was Ihr da aufführt.

  4. wolfgang pirker sagt:

    wer kurz und pilz und düringer gleichsetzt, hat das wesen der Demokratie auch nicht verstanden – dazu zähle ich den willen zur Selbstkritik, die Notwendigkeit des innerparteilichen Diskurses und mut für neues, wobei ich am wenigsten an neue gesichter denke. all dies fehlt mir bei den grünen schon längere zeit und das fällt auch vielen auf, aber es ändert sich nichts (mehr), weil die „Loyalisten“ immer wieder die Mehrheit bilden. Ja, loyal muss man sein bei den grünen, dann wird man was, loyal zum grünen „machtzentrum“! das waren Voggenhuber, Dönmez, die letzten jungen grünen und eben pilz nicht.

  5. auch mal grün gewählt sagt:

    Herr Steinhauser, ein paar Sachen wollt ich Sie noch fragen.

    Sie schreiben ja oben bezüglich Düringer:

    Zitat: Inhalte und politische Positionen dürften wenig Rolle spielen.

    Was für Inhalte und politische Positionen haben jetzt eigentlich eine Rolle gespielt, dass Julian Schmid gegenüber Pilz der Vorzug gegeben wurde???
    Da hättet Ihr beim Bundeskongress genausogut Reise nach Jerusalem spielen können. Sie wissen schon, das Spiel mit den Sesseln, da geht´s auch darum einen Sitz zu ergattern.
    Und das Düringer Kabarettist ist….mit Kabarettisten haben die Grünen (zumindest in Kärnten) ja eigene Erfahrungen.

    Außerdem schreiben Sie:

    Zitat: Jedes andere System (als das der Grünen Anmerkung) bringt auf lange Sicht ausschließlich Glücksritter, Millionäre und Selbstdarsteller nach oben.

    Was macht der Landtagsabgeordnete Michael Johann noch mal beruflich? Also wenn gerade keine Landtagssitzungen anstehen?
    Hat der nicht einen „kleinen“ bäuerlichen Betrieb übernommen, mit wieviel Hektar nochmal??? Quasi ein kleiner Bergbauer, oder doch schon eher so eine Dimension wie bei den Gebrüdern Scheuch???
    Sie wissen schon, der Uwe und der Kurt.

    Und wegen den Selbstdarstellern eine Frage: Rolf Holub gilt ja allgemeinhin als Hypoaufdecker, oder?
    Googeln Sie doch mal „der Held von Klagenfurt“ bzw. hier der link: http://www.zeit.de/2013/14/Klagenfurt-Gustav-Leipold
    Und ich dachte immer „Die Zeit“ ist eher linksliberal aufgestellt. 😉

    An Glücksrittern, Millionären, Selbstdarstellern, Kabarettisten und feschen Bussibären auf Facebook, scheint ja nirgendwo ein Mangel zu herrschen, oder?

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