Grüne KandidatInnenkür

Gestern hat der Grüne Bundeskongress stattgefunden. Peter Pilz hat um den vierten Platz kandidiert und wurde nicht gewählt. Da er nicht weiterkandidiert hat, fehlt er auf der Liste.

Grüne Personalentscheidungen werden breit getroffen. Sie erfolgen durch 250 Personen in einer geheimen und demokratischen Abstimmung. In anderen Parteien passiert das hinter verschlossenen Türen durch einen handverlesenen Kreis. 250 Delegierten kann man nicht befehlen, wen sie wählen sollen. Offene Wahlaufrufe sind in der grünen Tradition Tabu. Es gilt eine Art Neutralitätsgrundsatz gegenüber allen KandidatInnen. Wird das durchbrochen, kann das den gegenteiligen Effekt haben.

Das heißt nicht, dass grüne VerantwortungsträgerInnen nicht informell Signale in vielen Gesprächen aussenden, aber letztendlich übernimmt jeder Delegierte in der anonymen Abstimmung selbst Verantwortung und hat seine individuellen Wahlmotive. Ulrike Lunacek hat klar gesagt, dass sie Peter Pilz auf der Liste haben will.

Erklärungen, wie es zu einem Ergebnis kommt, sind da schwierig. Was vielen Delegierten offensichtlich nicht klar war, dass es Peter Pilz diesmal ernst ist, nur auf Platz 4 anzutreten. „Platz 6 ist auch ein sicheres Mandat“, war oft zu hören. Gerade die Ankündigung von Peter Pilz nur auf Platz 4 anzutreten, hat vielleicht auch für Unmut gesorgt.

Dazu kommt, dass ein transparenter Listenerstellungsprozess immer Dynamiken ausgeliefert ist. In den letzten Wochen war medial oft zu lesen, dass die Grünen zu „alt“ wären und es bald keine Jungen bei uns gäbe. Auch der Vorwurf der mangelnden Erneuerung war zu hören. Auch das dürfte nicht wirkungslos geblieben sein.

Bei aller Unberechenbarkeit hat dieses System seine guten Seiten. Auch gestandene Abgeordnete müssen vor die Basis treten und Rechenschaft ablegen. Kein Parteichef kann ein Mandat vergeben oder absichern. Der Preis dieses Systems ist, dass Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar sind. Es verhält sich, wie mit Schiedsrichterentscheidungen im Fußball. Sie können heftig diskutiert werden, sind aber zur Kenntnis zu nehmen.

Ich habe bewusst nach dem Ende Bundeskongresses dafür plädiert, Peter Pilz über einen Vorzugsstimmenwahlkampf den Einzug ins Parlament zu ermöglichen. Diese Möglichkeit stünde offen.

5 Kommentare bis jetzt.

  1. Franz Josef Stangl sagt:

    Vorzugsstimmenwahlkampf für Peter, bitte dran bleiben. Es wäre unendlich schade wäre er nicht mehr im Parlament. Liebe Grüße, Franz Josef

  2. Margarete Nezbeda sagt:

    Peter Pilz soll sich also einen Vorzugsstimmwnwahlkampf antun? An 14. und letzter Stelle? Damit er den Grünen die Stimmen bringt? Das kann wohl nicht ernst gemeint sein. So,geht man nicht mit einem der prominentesten und verdientesten Polikern Österreichs um.

  3. roman sagt:

    pilz war schon super.
    aber ein wenig erneuerung schadet auch ned.
    hatte eh den eindruck dass es ihn nicht sooo sehr stoert.
    hoff er bleibt in irgendeiner form aktiv.

    der herr steinhauser muss sich halt jetzt doppelt reinhaengen.

    P.S.: das delegiertensystem ist oed.

  4. Kim Wang sagt:

    „Es verhält sich, wie mit Schiedsrichterentscheidungen im Fußball. Sie können heftig diskutiert werden, sind aber zur Kenntnis zu nehmen.“

    Sie scheinen nicht zu verstehen, dass das die Teamaufstellung war, die Schiedsrichterentscheidung kommt im Oktober. Selbstverständlich nehme ich von Heumarkt über Junge Grüne und Kopftuchsager bis zu Peter Pilz zur Kenntnis, dass die Grünen meine Stimme nach 20 Jahren nicht mehr wollen. Und Sie brauchen nicht zu glauben, dass Leute wie ich durch twittern oder „laufen im Wahlkampf“ zu beeindrucken sind. Ich habe viel ausgehalten und lange gebraucht, bis ich nun zu dem Punkt gekommen bin, wo ich im Zweifel in Kauf nehme, dass die Partei, die ich immer gewählt habe, aus dem Parlament fliegt.

  5. Gonzo sagt:

    Vielleicht solltet ihr euer System überdenken, das den totalen Populismus fördert und interne Kämpfe auslöst, anstatt die Besten an die Spitze zu bringen. Es wundert mich also nicht, dass die Spitze der Grünen derzeit aus total überforderten und inkompetenten Menschen besteht. Nichts für ungut, aber es gibt verschiedene demokratischen Ansätze und Prinzipien -. das meritokratische solltet ihr euch einmal genauer anschauen.

    Keine Macht den Dummen und deswegen unterstütze ich Pilz:
    openpetition.eu/!ListePilz

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