Gestern hat mich die Wiener Landesversammlung mit über 90% auf Platz 2 ihrer KandidatInnen-Liste für die Nationalratswahlen gewählt. Danke.

So schaut die Wiener Liste aus:

  1. Ulrike Lunacek
  2. Albert Steinhauser
  3. Sigi Maurer
  4. Markus Koza
  5. Alev Korun
  6. Georg Bürstmayr
  7. Ewa Dziedzic
  8. Wolfgang Zinggl

Das ist das ungefähre Redeprotokoll zu meiner gestrigen Rede:

„In den letzten Jahren hat sich in unserer Gesellschaft Enttäuschung breit gemacht. Viele haben das Gefühl, dass sich die persönlichen Lebensumstände verschlechtern. Dass es nicht bergauf, sondern bergab geht. Dass es der nächsten Generation nicht besser, sondern vielleicht sogar schlechter geht.

Das hat zu Angst, Verunsicherung und Wut geführt, die tief in die Mittelschicht reicht.

Woher kommt der Zorn? Es ist das Ergebnis von 30 Jahren Neoliberalismus. Stabilität und Solidarität sind verloren gegangen und Teile der Gesellschaft den Rechten in die Hände getrieben worden.

In die Hände von Rechtspopulisten, die sich als Outlaws geben. Das sind aber tatsächlich keine Rebellen, sondern nur etwas verzogene Schoßkinder des Establishments, das sie vorgeben zu bekämpfen. Sie wollen gar nichts ändern, sie wollen spalten und an die Futtertröge der Macht. Haben sie es geschafft, zersetzen sie schrittweise Demokratie und Rechtsstaat.

Aber auch die Mitte ist ins Rutschen geraten. Ich habe mit freiem Auge im Parlament sehen können, wie die ÖVP – aber auch die SPÖ – immer öfter Positionen angenommen haben, die vor zwei Jahren noch alleine von der FPÖ vertreten worden sind.

Hassbotschaften müssen wir eine Botschaft  des Zusammenhalts und der Hoffnung entgegensetzen.

Dieses Land gehört nicht den reichsten 10%, sondern allen. Dem Bauarbeiter, der Krankenschwester, dem Lehrer, der Ärztin, der Universitätsprofessorin und noch vielen mehr. Österreich sind wir alle. Egal ob Leistbare Mieten, Pflege oder Mindestlohn – die Grünen müssen dort sein, wo der Schuh drückt.

Wer – wenn nicht wir – wird die sozialen Interessen der breiten Bevölkerung wahrnehmen? Wer – wenn nicht wir – garantiert eine lebensnahe Sozialpolitik?

Wenn ich aber sage, dieses Land gehört nicht einigen wenigen, dann sage ich auch dieser Planet gehört nicht einer Generation. Europa urteilt gerne moralisch erhaben über Trump, wenn er den Klimaschutz sturmreif schießt. Wenn es bei uns aber konkret beim Klimaschutz wird – wie beim Flughafenurteil – dann ist es nicht viel anders. Dann werden ein Urteil, die Richter, der Rechtsstaat und der Klimaschutz ins Visier genommen und mit aller Kraft bekämpft.

Wer – wenn nicht wir – wird darauf schauen, dass soziale und ökologische Interessen gemeinsam und nicht gegeneinander gedacht werden? Es gibt keine halbe Lebensqualität. Lebensqualität besteht immer aus einer intakten Umwelt und sozialer Absicherung.

Unsere Botschaft ist aber auch, du darfst mit deinem Leben anfangen, was du willst und musst alle Möglichkeiten haben. Egal was der soziale Status deiner Eltern ist, wo du herkommst, wen du liebst oder welches Geschlecht du hast. Niemand hat dir einen Platz zuzuweisen, den du nicht verlassen darfst. Niemand darf dir eine Rolle aufzwingen, an die du dich zu halten hast.

Wer – wenn nicht wir – wird dieses Versprechen einlösen, dass du deinen Weg gehen darfst, so wie du willst?

Drei Parteien laufen für durchgestylte PR-Politiker, an denen wenig echt ist – wir für eine großartige Idee und eine glaubwürdige Spitzenkandidatin. Das ist doch ein Angebot. Gemeinsam sind wir stark. Danke.“

 

2 Kommentare bis jetzt.

  1. Georgia Illetschko sagt:

    Sehr geehrter Herr Steinhauser,

    eine interessante, streckenweise berührende Rede mit spannenden Fragen…

    „Woher kommt der Zorn? Es ist das Ergebnis von 30 Jahren Neoliberalismus…“

    … und etlichen Auslassungen. Wie etwa selbstkritischen Betrachtungen, die ich als jahrzehntelange Grünwählerin mithin nachreiche. Wenn schon die grüne Führung über keinen Funken Selbstkritik verfügt, obliegt diese dem bisherigen Wähler.

    „Wer wenn nicht wir“ hat was. Auch mancher Zorn kommt – nicht vom Neoliberalismus, das wäre zu billig – sondern von „wem wenn nicht von Ihnen“, ja auch mir mir selbst. Die Grünen haben mittlerweile die selbstreflektive Offenheit und Zukunftsfähigkeit der SED in der Schlussphase.

    Betonieren, Lobbyieren, Mauern,… und dazu Zinggls Versetzung auf Platz 8.

    Ich danke schön.
    Georgia Illetschko

  2. Albert Holzbauer sagt:

    Herzliche Gratulation zur Nominierung!
    Albert Holzbauer

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