Der Anschlag auf die Fußballer von Borussia Dortmund wurde aufgeklärt. Eine Finanzspekulation auf den Kurssturz der Vereinsaktien sollte durch die Straftat realisiert werden. Lange war darüber spekuliert worden, dass Islamisten hinter der Tat stehen könnten. Die deutschen Behörden erklärten, dass kein terroristisches, sondern ein „kriminelles niederes“ Motiv hinter der Straftat steht. Das irritiert. Auch dem islamistischen Terror liegen keine hohen oder hehren Motive zu Grunde. Das mag sprachlich spitzfindig wirken. So lange aber auch unbewusst Terror nicht klar als niederträchtiges Verbrechen stigmatisiert wird, sondern ein Unterschied zu üblicher Gewaltkriminalität gemacht wird, bekommt er die Aura der Heldenhaftigkeit und übt auf potentielle Täter eine Anziehungskraft aus.

Die Tat wirft aber auch ein Licht auf gängige Finanzmarktprodukte. Nicht weil diese Produkte für die Tat verantwortlich wären, sondern weil wir an absurde Finanzmarktprodukte erinnert werden, für die schon lange von der Europäischen Union eine Regulierung versprochen wurde. Der Täter hat sogenannte Put-Options gekauft. Das ist ein Papier mit dem der Verkauf einer Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem gesicherten Preis garantiert wird. Die Spekulation passiert dadurch, dass zwar so ein Papier gekauft wird, aber die dazugehörigen Aktien nicht. Es wird auf den Kursverfall spekuliert und dann wenn er sich realisiert, die Aktie billig gekauft, um sie zum garantierten höheren Preis wieder abzustoßen. Im konkreten Fall wollte der Täter durch den Anschlag den Kursverfall erreichen. Gerade im Bereich der Nahrungsmittel führen solche Derivate dazu, dass versucht wird den Kurs hinauf oder hinunter zu treiben. Die Folgen sind katastrophal und können Lebensmittel für manche unleistbar teuer oder für meist kleinere Produzenten ruinös billig machen. So können durch Spekulation Strukturen komplett zerstört. Aber auch für ein Unternehmen kann die Spekulation auf den Kursverlust schwere wirtschaftliche Folgen haben und Arbeitsplätze kosten. Diese Finanzprodukte sind komplett von jedem ökonomischen Hintergrund entkoppelt und haben reinen Wettcharakter. Reformiert endlich die Finanzmärkte!

2 Kommentare bis jetzt.

  1. Christian Wally sagt:

    Ich habe mir den Sinn von Optionen einmal so erklären lassen, dass diese als eine Art Versicherung gedacht sind. Wenn ein Betrieb einen großen Auftrag annimmt, dessen Fertigstellung sich über einen längeren Zeitraum hinzieht, dann ist eines der Risiken, dass sich von der Auftragsvergabe bis zur Fertigstellung die Preise für die benötigten Rohstoffe erhöhen und damit den Gewinn aufzehren. Der Betrieb ist also an einem garantierten Preis interessiert, während Käufer der Optionen auf fallende oder steigende Preise wetten können und damit dem Betrieb das Risiko abkaufen.

  2. Albert Steinhauser sagt:

    Wenn Put-Optionen als Versicherung für Preisschwankungen, wie bei einem Versicherungsmodell gekauft werden, wäre das nachvollziehbar. Die Spekulation findet meines Wissens nach nicht primär damit statt, dass einer den Preis über Put-Optionen garantiert, weil ja der Käufer gar nicht verpflichtet ist zum garantierten Preis zu verkaufen. Da wirkt es tatsächlich wie eine Versicherung. Die Put-Optionen können aber ohne reales Geschäft gekauft werden und das macht sie zur Spekulation, weil der Käufer auf den Kursverfall spekuliert und dannn die Aktien billig kauft. Das hat dann eben mit einer Versicherung nichts zu tun, sondern hat Wettcharakter.

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