Die ÖVP und ihr schwieriges Verhältnis zur FPÖ

ÖVP-Generalsekretär Amon will die ÖVP stärker von der FPÖ abgrenzen, hat er gegenüber dem „Standard“ erklärt. Bisher hat die ÖVP die FPÖ kopiert und sich mit der SPÖ gestritten. Erfolgsrezept war das keines. Tatsache ist, dass die ÖVP die Wahlen nicht gegen die SPÖ gewinnen kann, sondern sowohl schwarz als rot ihre WählerInnen gegenüber der FPÖ verteidigen müssen. Dort sitzt der Konkurrent, der sie in ihrer Stärke aussaugt. So paradox das klingt. Nur wenn beide Parteien erfolgreich in der Regierungsarbeit sind, werden sie bei den nächsten Wahlen nicht komplett abstürzen.

Ein Teil der ÖVP hat aber an diesen strategischen Überlegungen kein Interesse. Der ehemalige schwarz-blaue Bundeskanzler Schüssel lässt schon seit längerem Hof halten. Außenminister Kurz, Klubchef Lopatka und Innenminister Sobotka geben in dieser Aufstellung die gelehrigen Schüler. Das erklärte Ziel ist eine Neuauflage von schwarz-blau. Kurz bereitet sich genau auf diese Kanzlerschaft vor. Die Rollenteilung ist mit freiem Auge sichtbar. Lopatka konterkariert die Zusammenarbeit mit der SPÖ und diskreditiert damit die aktuelle ÖVP-Führung, aber auch Kanzler Kern. Innenminister Sobotka soll als FPÖ-Politkopierer den Law and Order-Mann machen. Sebastian Kurz versucht seine Popularität durch Imagepflege im Boulevard zu steigern. Rechts in den Positionen, aber mild im Gesichtsausdruck will er sich ins Kanzleramt lächeln. Schüssel gilt als Taktierer. Einmal hat er mit einem riskanten Manöver – der Aufkündigung von schwarz-blau 1 – einen fulminanten Wahlsieg eingefahren, sonst aber regelmäßig mit seinen gewagten Machtspielen Schiffbruch erlitten. Auch diesmal könnte das der Fall sein, um den Preis, dass Schüssel und Kurz der FPÖ zum Wahlsieg verhelfen.

Einen Kommentar schreiben: