Heute findet im Parlament die Veranstaltung „Geste der Verantwortung“ statt. Die Spitze der österreichischen Republik stellt sich damit erstmals dem Thema sexuelle und körperliche Gewalt an Heimkindern durch die Kirche und den Staat. Die Veranstaltung wurde von Teilen der Betroffenen gefordert, andere stehen dem aber auch ablehnend gegenüber. Ich begrüße diese Veranstaltung im Parlament. Lange war die Politik vor diesem Thema auf der Flucht. Es ist absolut richtig, dass sich die österreichische Staatsspitze zur Verantwortung bekennt und das auch sichtbar wird.

Eine Veranstaltung ist aber nichts wert, wenn daraus nichts folgt. Verantwortung übernehmen, heißt auch Handeln. Es darf keinen Schlussstrich geben. Die Aufarbeitung der Gewalt an Heimkindern darf keinesfalls mit dem Abhalten der Veranstaltung beendet werden.

Zentral ist, dass endlich – wie wir seit 2010 fordern –  eine bundesweite staatliche Untersuchungskommission und Anlaufstelle für Betroffene geschaffen wird.  Das Niveau der Aufarbeitung variiert abhängig davon, welche Institution oder welches Bundesland zuständig waren. Der Bund selbst hat sich beispielsweise diesem Prozess weitgehend entzogen. Das war möglich, weil er deutlich weniger Zuständigkeiten als die Länder hatte, ist aber für die Betroffenen trotzdem ein offener Punkt. Dazu kommt, dass viele Länder – so auch beispielsweise Wien – die Möglichkeit zur Antragsstellung für Betroffene und damit die zur Verfügung stehenden Strukturen beendet hat. Eine zentrale Stelle könnte dann Anlaufstelle für alle Betroffenen sein und damit auch in jenen Fällen Strukturen anbieten, wo sich nur mehr wenige Betroffene melden.

Ich würde mir aber auch ein zentrales Denkmal wünschen, das erinnert was passiert ist und die Verantwortungsträger in der Republik und der Kirche mahnt stets wachsam gegen institutionelle Gewalt in ihren Einrichtungen zu sein.

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