Ich kenne Alexander Van der Bellen jetzt rund 20 Jahre. Als er damals zum ersten Mal als Parteichef der Grünen kandidiert hat, habe ich ihn nicht gewählt. Als junger Linker war er mir damals zu pragmatisch und „ungrün“. 2002 war ich dann Landessprecher der Wiener Grünen. Alexander Van der Bellen wollte eine Koalition mit Wolfgang Schüssel und der ÖVP bilden – ich und meine Wiener ParteifreundInnen nicht. Es war eine Zeit der Spannungen zwischen der Bundespartei und der Wiener Landespartei. Alexander Van der Bellen war damals nicht immer glücklich mit uns und wir nicht immer glücklich mit ihm.

Trotz manchmal unterschiedlicher Sichtweisen, war der persönliche Umgang immer wertschätzend. Ich habe dann Van der Bellen als Klubobmann und Abgeordnetenkollege im Parlament erlebt. Deshalb würde ich ihn heute nicht mehr unbedingt als pragmatisch bezeichnen. Wer ihn näher kennt, weiß, dass er sich in wichtigen Positionen nicht von Umfragen, Medien oder sonstigen Einflüsterern leiten lässt. Opportunismus und der Weg des geringsten Widerstands sind Van der Bellen eigentlich fremd. Wenn er etwas für richtig hält und ihm niemand überzeugende Gegenargumente liefert, kämpft er seine Position durch.

Van der Bellens Anspruch an Politik war und ist hoch. Sie soll keine Scheinwelt sein, sondern halten, was sie verspricht. Nicht selten hat er deshalb grüne Abgeordnete und MitarbeiterInnen in langen Diskussionen als „Advocatus Diaboli“ aus der Reserve gelockt, um herauszufinden, ob eine Position zu Ende gedacht ist und wirklich überzeugend ist. Entscheidend war für ihn, was hinter einer Position steckt.

Manchmal wird Van der Bellens Wirtschaftspolitik als „neoliberal“ kritisiert. Das verkennt ihn. Weder ist er für den Abbau des Sozialstaates, noch will er Finanzmärkte deregulieren. Natürlich ist er wirtschaftspolitisch kein klassischer Linker, sondern würde ich ihn eher als einen moderaten Keynesianer, der für sozialen Ausgleich steht, aber das Budget im Auge hat, einschätzen.  Das ist nicht radikal und manches sehe ich anders, die Etikette „neoliberal“ geht aber an den Tatsachen vorbei. Wie nennt man dann jene, die den Sozialstaat demolieren, Steuern für Vermögende senken und Spielregeln für Märkte abschaffen wollen?

Bleibt noch die Frage, warum Van der Bellen „Heimat braucht Zusammenhalt“ plakatieren lässt? Eine nicht unheikle Provokation, die übrigens Strache bei Wahlveranstaltungen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Ich persönlich glaube, dass man mit diesem Begriff vorsichtig umgehen muss. Heimat wird schnell als etwas Ausschließendes und Abgrenzendes begriffen. Van der Bellen will diese Deutung drehen. Als Flüchtlingskind hat er in Österreich „Heimat“ gefunden und will signalisieren, dass Österreich für viele eine neue Heimat werden kann. Das kann gefallen oder kann man kritisieren, ist aber weit vom Blut und Boden-Heimatdiskurs der FPÖ entfernt.

Die FPÖ droht stärker zu werden. Da ist es nicht egal, ob es in der Hofburg ein politisches Gegengewicht gibt. Van der Bellen ist ein Vertreter der raren politischen Spezies „Nachdenker“. Sein zurückhaltendes Auftreten ist nicht gespielt. Er ist kein Machtmensch oder Selbstdarsteller, sondern Impulsgeber. Genau das braucht unsere Republik in politisch unruhigen Zeiten.

3 Kommentare bis jetzt.

  1. Ungueltigwaehler sagt:

    Für mich ist Van der Bellen unwählbar – genauso wie alle anderen Kandidat_innen. Sie sind alle Kandidat_innen des Establishments.

    Ich sehe das wie die PdA:

    http://parteiderarbeit.at/?p=3181

    Bei der BP-Wahl 2016 wähle ich ungültig – aus Protest gegen die bürgerliche Demokratie, also eine Demokratie, die lediglich auf dem Papier existiert, wobei leider selbst diese formale Demokratie und der formale Rechtsstaat abgebaut werden (Flüchtlingsobergrenzen, Ausbau des Überwachungsstaates, …).

  2. auch mal grün gewählt sagt:

    Sehr schwacher Auftritt gestern in der unmoderierten ATV Diskussion.

    Schon ganz zu Beginn des Wahlkampfes hab ich mich gefragt, was der Unsinn soll, VdB sei ein unabhängiger Kandidat. Kann man nach über 10 Jahren Parteivorsitz seine Gesinnung einfach ausziehen, wie ein schmutziges Hemd??? Ist doch lächerlich, das glaubt einem doch kein Mensch.
    Da wird wohl eher der Versuch dahinterstecken Streitereien innerhalb der Partei zu „umgehen“. Wer weiß ob die Basis sich für VdB ausgesprochen hätte, gibt ja den alten Spruch: Kommt was von der Basis, weiß man dass ein Schaß is! Basisdemokratie, das war einmal.
    Und das ständige Betonen der Wirtschaft. Wirtschaft über alles. Der Androsch als Unterstützer, hat in Österreich Fabriken geschlossen und gleichzeitig in China 2 Werke und in Indien 1 Werk gebaut. Wie ging nochmal der blödsinnige Sager: Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut.

    Rauch-Kallat ebenfalls Unterstützerin???
    Die Maria hat doch seinerzeit bei der Firma Dräger 9 Millionen Grippemasken bestellt, während ihr Ehegatte der „Gatterjagden Veranstalter“ Mensdorff-Pouilly bei gerade dieser Firma nennen wir´s vornehm „Berater“ war. Ein Schelm wer böses denkt.

    Wo wir auch schon bei der Jagd wären. So ein Jagdgwehr ist also keine Waffe???? Das wird den derzeitigen Landesjägermeister Pröll aber freuen. Also der Pröll, dessen Rolle bei der Notverstaatlichung / Rückkauf der Hypo man auch hinterfragen könnte.

    Da soll einer dem VdB nochmal den Vorwurf machen, er wäre zu alt. Wer sich so verbiegen kann, der ist gelenkiger als so mancher Junger, ein Schlangenmensch quasi.

  3. Fake Oakleys sagt:

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