Ich habe über parlamentarische Anfragen recherchiert, wie viele Attacken es auf Asyleinrichtungen 2015 in österreich gegeben hat. Verglichen mit Deutschland mag die Zahl von 25 Übergriffen relativ niedrig erscheinen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist es aber ein deutlicher Anstieg. Die Palette der Vorfälle reicht von Sachbeschädigung über Brandstiftung bis zu Körperverletzung. Es zeigt sich, dass die Hemmungen für Übergriffe gefallen sind. Wenn im Internet gehetzt und die Stimmung aufbereitet wird, darf es nicht wundern, dass  sich  einige dann legitimiert sehen, den Worten auch Taten folgen zu lassen.

Die Anzahl der Täter, die ausgeforscht werden konnten ist äußerst gering. Wenn wir in Österreich keine Zustände, wie in Deutschland haben wollen, wird es entscheidend sein, die Aufklärungsquote massiv zu steigern. Nur so wird klar, dass Übergriffe auf Asyleinrichtungen kein Kavalariesdelikt sind, sondern Kriminaliät, die Konequenzen für jeden einzelnen nach sich zieht. Hier darf es keine falsche Gelassenheit geben, sondern muss Innenministerin Mikl-Leitner mehr Anstrengung zeigen. Was mit einzelnen Übergriffen beginnt, kann schnell zum  Flächenbrand werden.

Auch die öffentliche Empörung hält sich in Grenzen. Während auf Demonstrationen eingeschlagene Schaufensterscheiben die öffentliche Debatte tagelang in Atem halten, sind Übergriffe auf Asyleinrichtungen oft nur eine Randnotiz oder schaffen es gar nicht die öffentliche Wahrnehmungsschwelle zu überschreiten.

Liste der bekannten Attacken auf Geflüchtetenunterkünfte in Österreich 2015

Jänner 2015

Grünbach am Schneeberg (Niederösterreich) – Verdacht auf Brandstiftung.
Ein Beschuldigter ausgeforscht. Hier handelte es sich aber offensichtlich um kein Hassdelikt, da der Täter als paranoid-schizophren diagnostiziert in eine geschlossene-psychiatrische Abteilung eingewiesen wurde.

 

April 2015

Mitterdorf (Steiermark) – Verdacht der versuchten Sachbeschädigung.
Ein pyrotechnischer Gegenstand wurde im Eingangsbereich zur Explosion gebracht.
Kein Beschuldigter.

Alberschwende (Vorarlberg) – Verdacht der schweren Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, gefährlicher Drohung.2
Mehrere Pro-Asylplakate wurden heruntergerissen, und es folgten Drohungen. Rechte Parolen wurden gerufen. Ein Raufhandel konnte verhindert werden.
5 Beschuldigte.

Vogau (Steiermark) – Verdacht der schweren Sachbeschädigung.
Die Geflüchtetenunterkunft wurde mit Böllern und Steine angegriffen.
Keine Beschuldigten.

 

Mai 2015

Wels (Oberösterreich) – Verdacht der schweren Sachbeschädigung.
Brandstiftung an einem Gebäude, das zu einer Geflüchtetenunterkunft umgebaut wurde.
Keine Beschuldigten.

 

Juni 2015

Dornbirn (Vorarlberg) – Verdacht der versuchten Brandstiftung.
Brandanschlag auf das Messegelände.
Keine Beschuldigte.

 

Juli 2015

Wiener Neustadt3 (Niederösterreich) – schwere Körperverletzung.
Flüchtlinge wurden mit Softgunpistolen beschossen und verletzt.

4 Beschuldigte.

Traiskirchen (Niederösterreich) – Verdacht der fahrlässigen Herbeiführung einer Feuerbrunst.
Eine Feuerwerksrakete löste einen Flurbrand beim Erstaufnahmezentrum aus.
Keine Beschuldigten.

 

August 2015

Großkirchheim (Kärnten) – Verdacht der Körperverletzung.
Bölleranschlag auf Unterkunft. 2 Personen verletzt.
Keine Beschuldigten.

Seekirchen (Salzburg) – Verdacht der Brandstiftung.
Brandstiftung bei einer geplanten Unterkunft.
Keine Beschuldigten.

Wörgl (Tirol) – Verdacht der Brandstiftung.
Brandstiftung auf geplantes Flüchtlingsquartier.
Kein Beschuldigter.

Straßburg (Kärnten) – Verdacht der Sachbeschädigung.
Der Zaun der Unterkunft wurde beschädigt.
Ein Beschuldigter.

 

September 2015

Bregenz (Vorarlberg) – Verdacht der schweren Sachbeschädigung.
Inhalt eines Feuerlöschers wurde im Stiegenhaus versprüht.
Ein Beschuldigter.

Straßburg (Kärnten) – Verdacht der Sachbeschädigung.
Ein pyrotechnischer Gegenstand wurde zur Explosion gebracht und beschädigte das Glas der Eingangstür.
Keine Beschuldigte.

Ottakring (Wien) – Verdacht des Diebstahls durch Einbruch oder mit Waffen, sowie Verdacht auf Sachbeschädigung.
Einbruch, Beschädigung von EDV-Geräten, Beschmierung einer Wand.
Keine Beschuldigten.

Hietzing (Wien) – Verdacht der schweren Nötigung und Verdacht der gefährlichen Drohung.
Es erfolgte eine telefonische Bombendrohung. Zu diesem Zeitpunkt waren 370 Personen im Haus untergebracht.
Keine Beschuldigten.

Radenthein (Kärnten), erster Vorfall – Verdacht der Sachbeschädigung.
Fassaden wurden beschmiert.
Keine Beschuldigten.

Radenthein (Kärnten), zweiter Vorfall – Verdacht der Sachbeschädigung.
Fassaden wurden ein zweites Mal beschmiert.
Keine Beschuldigten.

 

Oktober 2015

Hohenems (Vorarlberg) – Verdacht auf Wiederbetätigung und Sachbeschädigung.
Neonazistische und rassistische Schriftzüge wurden angebracht.

Linz (Oberösterreich) – Verdacht auf Wiederbetätigung und Sachbeschädigung.
Neonazistische Sprühereien und rassistische Tafeln wurden angebracht.
Keine Beschuldigten.

Frankenburg (Oberösterreich) – Verdacht auf Sachbeschädigung.
Rassistische Sprühereien.
Keine Beschuldigten.

 

November 2015

Wieselburg (Niederösterreich) – Verdacht auf Körperverletzung, Nötigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwere Sachbeschädigung.
Der Täter beschädigte mit dem Auto Absperrgitter und attackierte einen Rotkreuz-Mitarbeiter mit einem Faustschlag.
Ein Beschuldigter.

St. Peter (Kärnten), erster Angriff – Verdacht auf Sachbeschädigung.
Angriff mit Steinen, ein Fenster ging hierbei zu Bruch.
Keine Beschuldigten.

 

Dezember 2015

Wolfurt (Vorarlberg) – Verdacht auf Sachbeschädigung.
Ein Hakenkreuz wurde gesprüht.

St. Peter (Kärnten), zweiter Angriff
Ein erneuter Steinwurf auf die Unterkunft.

Keine Beschuldigten.

 

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