In der Nationalratssitzung vom Mittwoch hat die ÖVP Schilder zum Thema „Asyl“ im Stil der FPÖ hochgehalten. Damit hat sie unbewusst Wahlkampf für die FPÖ gemacht. Ein Schild sticht besonders hervor: „Kein Asyl a la carte“.

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Die Journalistin Barbara Kaufmann hat im Beitrag „Strache a la carte“ auf nzz.at genau analysiert, warum das perfide ist. Sie schreibt unter anderem:

(…) „Tatsächlich werden hier Begriffe zusammen gebracht, die nicht zusammen gehören. Um Bilder entstehen zu lassen, die aus der Flüchtlingskrise ein Luxusproblem, aus Notleidenden ein besonders anspruchsvolles, verwöhntes Klientel machen sollen.

(…) Ein Dinner à la carte, das ist für viele etwas Exklusives, Mondänes, Nobles. Etwas, das man sich nur selten leistet. (…) Der Schutzsuchende wirklicht plötzlich wie ein verwöhnter Gast, der launisch sein Zielland aussucht statt dankbar zu nehmen, was man ihm anbietet. (…)“

Ich habe mir angeschaut, welche ÖVP-Politiker unter anderem dieses Schild gehalten haben, damit Zynismus auch ein Gesicht bekommt:

© Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS

© Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS

Einer ist ihr Finanzsprecher Andreas Zakostelsky. Beruflich fungiert er neben seinem Mandat derzeit als Sonderbeauftragter bei der Valida Holding AG einem Pensionsvorsorgeunternehmen im Raiffeisenkonzern. Zusammen mit seinem Abgeordnetengehalt kommt Zakostelsky auf ein monatliches Einkommen von zumindest 20.000.- Euro pro Monat.

© Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS

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Ein weiterer Taferlklassler a la carte ist der Team Stronach-Überläufer zur ÖVP Marcus Franz. Marcus Franz ist Arzt. Im Jahr 2014 hat er neben dem Abgeordnetengehalt von ca. 8.500 Euro ein Zusatzeinkommen von über 10.000 monatlich gehabt.

Beide Politiker sind also auf die Zuckerseite des Lebens gefallen, das sie mit Sicherheit voll und ganz „a la carte“ leben. Beide Politiker beziehen sich bei ihren politischen Entscheidungen gerne auf ihre christlich-religiöse Einstellung. Zakostelsky, wenn er die Zustimmung zum Fortpflanzungsmedizingesetz verweigert – Franz, wenn er für die Diskriminierung von Homosexuellen argumentiert. Beim Thema Asyl hören die Gewissenskonflikte um die biblische Nächstenliebe aber schnell auf.

Nicht im Bild zu sehen ist Jakob Auer, der ebenfalls ein „a la carte“-Schild trägt. Der Bauernbündler sitzt bereits über 30 Jahre im Parlament und bessert sein Gehalt mit zahlreichen Aufsichtsratsposten im Raiffeisenkonzern auf. Auch er kam 2014 in Summe auf ein monatliches Einkommen von über 15.000 Euro.

Wir leben in Österreich in einem sicheren Land und können alle nur hoffen, dass das so bleibt. Ich bin aber überzeugt, wenn es nicht so wäre und diese verwöhnten Herrn auf ihrer Flucht in einem Massenlager in Afrika oder Asien landen würden, dass sie alle Hebeln in Bewegung setzen und keine Kosten scheuen würden, um „a la carte“ in den USA Aufenthalt zu bekommen. Denn Zynismus ist nicht nur eine Haltung, sondern er hat auch Gesichter.

Ein Kommentar bis jetzt.

  1. Herbert Sburny sagt:

    Albert, sehr gut dass es dich gibt und du im Parlament bist!

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