Heute ist ein Feiertag. Vor 7o Jahren hat Nazideutschland kapituliert. Die Führung der Wehrmacht hat sich damals verpflichtet, sämtliche Kampfhandlungen um 23:01 einzustellen. Damit war die NS-Terrorherrschaft auch formal beendet – ein neues Kapitel österreichischer Geschichte konnte beginnen.

Während in anderen Ländern der Tag der Befreiung, wie in Italien als Staatsfeiertag begangen wird, wurde diesem Datum in Österreich lange überhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt. Es ist kurios, dass der Bedeutungsgewinn dieses Tages indirekt den rechtsextremen Burschenschaften zu “verdanken” ist, die jahrelang am Heldenplatz getrauert haben. Der 8. Mai ist für uns – im Unterschied zu den Rechtsextremen – ein Freudentag. Was gibt es schöneres als den formellen Niedergang eines menschenverachtenden und verbrecherischen Regimes zu feiern?

Der 8. Mai darf aber nicht im historischen Staatsgedenken mit nachdenklichen Reden und moralischen Ermahnungen erstarren. Wir müssen uns fragen, was heißt der Niedergang des NS-Regimes und die Opfer der alliierten Streitkräfte heute? Was bedeutet beispielsweise der 8. Mai für das Asylrecht und das Sterben im Mittelmeer? Die Verbrechen des Holocausts sind in ihrer Dimension und Grausamkeit einzigartig. Es wäre aber falsch zu glauben, dass deshalb in einer stabilen Demokratie nicht trotzdem aus diesem Tag Ableitungen und Antworten auf aktuelle Fragen zu finden sind. Im Gegenteil.

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