Rachat Alijew hat in einem Wiener Gefängnis Suizid begangen. Dem Ex-Schwiegersohn des kasachischen Diktators Nasarbajew wird ein Doppelmord vorgeworfen. Kasachstan und sein Geheimdienst wiederum dürften seit Jahren hinter Alijew her gewesen sein.

Der plötzliche Suizid nährt Spekulationen, zudem Alijew auch in der Untersuchungshaft bedroht worden sein soll. Zuerst sollten aber die Fakten sprechen. Alijew war in einer Einzelzelle untergebracht, laut Protokoll wurde die Zellentüre in der Nacht nicht geöffnet und die Videoüberwachung zeigt keine Personenbewegungen am Gang der Haftanstalt. Der erste Befund der Gerichtsmedizin hat keine Hinweise auf Fremdeinwirkung ergeben.

Wenn jemand von einem Mord an Alijew ausgeht, müssten wohl mehrere JustizwachebeamtInnen mitgeholfen haben und das Schließprotokoll zur Zelle und die Videoüberwachung manipuliert worden sein. Die Führung des Strafvollzugs, die Staatsanwaltschaft und die unabhängige Gerichtsmedizin müssten das decken oder es wäre so geschickt gemacht worden, dass sie alle getäuscht wurden. Geheimdiensten ist viel zuzutrauen – das klingt aber ohne konkreten Anhaltspunkt mehr als spekulativ. Die bekannten Fakten sprechen daher für einen Suizid. Um Spekulationen auszuräumen, sollte aber die Manipulationsmöglichkeit der Videoaufnahmen und der Protokollierung der Zellensperranlage genau überprüft werden. Wenn absolute Sicherheit darüber besteht, dass niemand die Zelle in der Nacht betreten konnte, sind sämtliche Mordspekulationen hinfällig.

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