Am Sonntag wird in Griechenland gewählt. Während ich mir einen Erfolg der linken Syriza wünsche, warnen andere davor. Da wird gejammert, dass Europa in Gefahr wäre und zerbrechen könnte. Das würde dann stimmen, wenn frei nach dem Motto „nur ein neoliberaler Europäer ist ein guter Europäer“ unter Europa das Diktat der Troika und die „Interessen der Finanzmärkte“ gemeint wären. Europa ist aber mehr und muss vor allem etwas anderes sein.

Syriza will Europa nicht den Rücken kehren, sondern die griechischen BürgerInnen endlich in den Mittelpunkt rücken. Syriza stellt fest, was allen klar ist: Griechenland kann seine Schulden nicht bezahlen und die gegenwärtigen Strategien hemmen jede positive Entwicklung. Die griechische Politik – konkret die konservative Nea Demokratia auf deren Wahlsieg skurriler Weise die europäischen Gegner der Syriza hoffen – hat eine historische Mitverantwortung an der griechischen Misere – die Politik der EU hat aber bisher keine Perspektive eröffnet und ist längst gescheitert.

Daher braucht es Alternativen, wenn Griechenland kein Dauerpatient an der kurzen Leine der EU-Kommissäre sein soll. Genau das fürchtet das europäische Politestablishment aber. Die Doktrin der neoliberalen Alternativlosigkeit, soll die Debatte über neue wirtschaftliche Ausrichtung, ein anderes Europa und die Ursache der Krise verhindern. Ein Sieg der Syriza würde daran erinnern, dass die Versprechen, Lehren aus der Krise zu ziehen, nie eingehalten wurden.

Natürlich ist der Weg der Syriza nicht risikolos. Die Abkehr von einer gescheiterten Therapie, garantiert noch nicht die richtige Medizin. Letztendlich geht es aber um den Aufbau von funktionieren staatlichen und wirtschaftlichen Strukturen, die Griechenland mittelfristig eine eigenständige Entwicklung ermöglichen. Erst, wenn die Programme der EU die Lebenssituation der Menschen verbessern, wir ihre Akzeptanz steigen. Das ist eine Lektion, die Europa aus einem Wahlsieg der Syriza lernen könnte.

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