Bundeskanzler Werner Faymann hat nur knapp 84% Zustimmung bei seiner Wahl zum SPÖ-Vorsitzenden von seinen Delegierten erhalten. Kein persönlicher Rückenwind, aber auch kein Drama. Der ehemalige grüne Bundessprecher Van der Bellen hatte kein einziges Mal ein Ergebnis jenseits der 90% auf einem grünen Bundeskongress bekommen. Parteien sollten Platz für Vielfalt und Kritik bieten und damit umgehen lernen. Wenn manche Medien Parteichefs  jetzt zu nordkoreanischen 99%-Ergebnissen verpflichten, ist das Ausdruck einer völlig überspitzenden Personalisierung der Politik und verhindert eine grundsätzlich notwendige Demokratisierung von Parteien. Parteitage werden dann zu Hochämtern, die einzig und alleine der Huldigung der Vorsitzenden dienen. Meinem Politikverständnis entspricht das nicht.

Faymann und die SPÖ haben trotzdem ein Problem. Das liegt aber tiefer und wird mit Faymanns Reaktion auf sein Wahlergebnis schonungslos offengelegt. Faymann ist ein politischer Feigling. Faymann verweigert eine Einladung der Nachrichtensendung ZIB 2 am Freitag. Faymann verweigert eine Einladung in die Pressestunde am Sonntag. Ein Politiker, der sich versteckt, wenn der Wind bläst, schrumpft zum Zwerg, egal ob er 80, 90 oder 100% Zustimmung in seiner Partei hat. Faymann erklärt nichts, Faymann stellt sich keinen kritischen Fragen, Faymann verteidigt sich nicht. Der Kapitän gehört auf die Brücke und nicht in den Maschinenraum, wenn der Wellengang rau ist. Wer soll Faymann noch ernst nehmen?

Da hilft es auch nichts, wenn die SPÖ jetzt Muskel zeigen will und mit Neuwahlen droht, wenn es keine Steuerreform gibt. Wer soll sich fürchten? Die ÖVP kaum. Ob die Schwarzen die Wahlen gewinnen würden, ist noch offen – fest steht, dass die SPÖ sie derzeit wohl verlieren würde. Weil das alle wissen, sind solche Drohszenarien Ausdruck von Hilflosigkeit. Selbst, wenn die SPÖ entgegen allen Erwartungen solche Wahlen gewinnen sollte, sitzt sie vermutlich wieder mit der ÖVP am Verhandlungstisch. Außer SPÖ-Burgenlandchef Niessel setzt sich durch, der will nämlich auch mit der FPÖ koalieren. Was taktisch raffiniert klingt, würde die SPÖ politisch versenken. Kapitän Faymann sitzt dann vermutlich aber schon lange im Rettungsboot.

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