Junge Männer wollen nach Syrien, um dort auf Seiten von Fundamentalisten zu kämpfen. Ein Jugendlicher hängt im Zimmer NS-Symbole auf. Situationen, die nicht alltäglich sind, aber vorkommen. Eltern oder LehrerInnen sind mit solchen Situationen meist überfordert. Schnell wird dann über Einsatz und Verschärfung des Strafrechts als Lösung diskutiert. Dabei wird übersehen, dass das Strafrecht erst zu greifen beginnt, wenn es meistens schon zu spät.

Das Innenministerium plant deshalb eine sogenannte Deradikalisierungs-Hotline. Noch ist sehr vage, was das Innenministerium genau plant. Bis jetzt besteht das Konzept zur Deradikalisierungs-Hotline aus zwei Wörtern. Hotline und Polizei. Der Verfassungsschutz soll nämlich Träger der Hotline werden soll. Ein Geburtsfehler. Eine Deradikalisierungs-Hotline bei der Polizei wäre eine oftmals unüberwindbare Hürde für Familie und Freunde, die so das Gefühl hätten, jemanden zu vernadern. Die Gefahr ist groß, dass der Hilferuf dann ausbleibt. Auch die Erfahrung des Bundesamts für Sektenfragen zeigt, dass Betroffene nur dann Kontakt aufnehmen, wenn sie sicher sind, dass ihre Daten vertraulich behandelt werden.

Wichtig ist auch, dass niederschwellig Hilfestellung angeboten wird. Sozialarbeit zum richtigen Zeitpunkt ist die beste Sicherheitspolitik. Oft ist es auch ein Problem im sozialen oder familiären Umfeld das „mitbetreut“ gehört, damit ein Deradikalisierungsprozess in Gang kommen kann. Ziel ist es, dass je nach Einzelfall multiprofessionale Teams sozialarbeiterische, psychotherapeutische und informierende Unterstützung durch Fachleute anbieten.

Was wollen wir Grüne:

• Die Aufhängung der Hotline muss neutral sein! Entweder es wir eine eigene stelle unabhängig von der Polizei (ähnlich der Bundesstelle für Sektenfragen) geschaffen oder spezialisierte NGOs mit der Abwicklung und Betreuung beauftragt.

• Einsatz eines multiprofessionellen Teams. Jedes Themenfeld sollte BeraterInnen (Psychologen/PsychotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen, IslamwissenschaftlerInnen/TheologInnenn und PolitikwissenschafterInnen) haben, die auf das jeweilige Thema spezialisiert sind. Immerhin ist Wissen über ideologische Argumente der Bewegung, typischen Beeinflussungsmethoden der Bewegung, evtl. Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern/Aussteigern notwendig.

• Arbeit mit dem Umfeld. Auch die Familie und das persönliche Umfeld müssen einbezogen werden, damit ein Ankerpunkt für einen graduellen Ausstieg des Betroffenen radikalisierten Familienmitglieds geschaffen wird.

2 Kommentare bis jetzt.

  1. Martin sagt:

    Ich bin Ihrer Meinung!

    Allerdings muss die Psychotherapie und psychologische Beratung freiwillig sein! Zwangsbehandlungen schaden Menschen (psychisch). Niemand, auch nicht Häftlinge (!), darf zwangsbehandelt werden!

  2. Martin sagt:

    PS: Zwangsbehandlungen sind es auch, wenn man die Existenz (Sozialleistungen, …) verliert, wenn man die Behandlung ablehnt.

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