Das Grüne Wahlergebnis aus meiner Sicht

Die Wahlen sind vorbei. Mit den Wahlkarten werden wir rund 2% und 3 bis 4 Mandate gewonnen haben. Das grüne Ergebnis ist weder ein Grund in Depression zu verfallen, noch zur totalen Euphorie. Es ist ein klares Plus und das wir uns mehr erhofft haben ist kein Geheimnis. Es ist trotzdem das beste Ergebnis der Geschichte und ich denke lieber darüber nach, warum wir nicht noch mehr gewonnen haben, als Stimmverluste zu analysieren.

Klar ist auch, dass es keinen Regierungsauftrag für uns Grüne gibt. Es gibt keine denkbare Koaltionsvariante, die Grüne braucht. Eine grüne Behübschung der rot-schwarzen Verliererkoalition, die uns nur optisch, aber nicht quantitativ braucht, macht keinen Sinn. Bleiben zwei Fragen: Warum haben die Grünen gewonnen und warum haben wir nicht mehr gewonnen?

Aus vielen Gesprächen ergibt sich ein klares Bild. Selbst in der showgeladenen Politikwelt schätzen WählerInnen unsere jahrelange punktgenaue Arbeit in den Parlamenten und die Aufdeckung von Missständen. Das wurde honoriert. Dazu kommt, dass Eva Glawischnig und tausende AktivistInnen einen ausgezeichneten Wahlkampf geleistet haben. Warum haben wir nicht mehr gewonnen? Da muss man in die Tiefe gehen, was wir auch machen werden. Es schaut aber jedenfalls auf den ersten Blick so aus, als hätten die NEOS auch bei potentiellen Grün-WählerInnen gewildert. Manchen WählerInnen wird spätestens, als NEOS-Chef Strolz eine Koalition mit der FPÖ am Wahlabend nicht ausschließen wollte, ohnedies der erste Schreck in die Glieder gefahren sein.

Bleibt noch, ob die rot-grüne Koalition in Wien und Debatten um die Mariahilferstraße das Wachstum gebremst haben könnten. In Wien haben wir nach Auszählung der Wahlkarten in etwa das Ergebnis (+0,34%) vom letzten mal erreichen. Das gilt aber auch für das zweite grüne Kernland Vorarlberg. Das ist weit weg von Wien und hat bekanntlich keine rot-grüne Koalition. Die Parallele und der Grund liegt wo anders: in beiden Bundesländern haben die NEOS überdurchschnittlich stark abgeschnitten. Die Wiener Rathausopposition konnte bei den Wahlen kaum profitieren. Die Wiener ÖVP wurde mit schwachen 13% zertrümmert und liegt jetzt sogar hinter den Grünen. Die FPÖ hat in Wien gerade o,27% unddamit gegenüber dem Bundesergebnis (+3%) unterdurchschnittlich dazu gewonnen.

Gestärkt gehts jetzt weiter und im Übrigen gilt: Opposition ist keine Strafe, sondern eine verantwortungsvolle Aufgabe in einer funktionierenden Demokratie.

4 Kommentare bis jetzt.

  1. Heidi sagt:

    Die Frage nach dem „Warum“ ist sicher zu facettenreich, die Ergebnisse zeigen eigentlich große Unterschiede. Schade, dass es in Wien nicht mehr wurde. jetzt können wir nur hoffen, dass die neue Regierung/Koalition nicht zu schlimm wird.
    Bleibt am Ball!

  2. roman sagt:

    na wenn man wo das erste mal in ne regierung geht kann das schon nen dämpfer bringen.
    insofern war wien eh ganz ok.

    für 2018 erwarte ich leider nen argen absturz für die grünen wenn die wähler in scharen zur spö wechseln um fpö platz 1 zu verhindern.

  3. Martin2 sagt:

    Die Grünen habe, aus meiner Sicht, vor allem deshalb nicht dazugewonnen, weil sich viele vor der Forderung der Grünen nach mehr direkter Demokratie fürchten.

    Ich habe deshalb SPÖ statt grün gewählt, weil die SPÖ am wenigsten stark auf den Ausbau der direkten Demokratie drängt (dagegen ist sie leider auch nicht, momentan ist leider keine einzige Partei dezitiert gegen den Ausbau der direkten Demokratie).

    Ich bin für die Beibehaltung unseres demokratischen Systemes. Mehr direkte Demokratie ist, aus meiner Sicht, zum Nachteil benachteiligter Gruppen(Flüchtlinge, Arbeitslose, …).

  4. Martin2 sagt:

    Die einzige Reform, die das politische System Österreichs braucht, ist, dass endlich ein umfassender Grundrechtskatalog in der österreichischen Bundesverfassung verankert wird, in dem alle Menschenrechte als Grundrechte verankert werden.

    Ansonsten ist das politische System Österreichs gut so wie es ist.

    Es gehört nicht das politische System Österreichs stark verändert, sondern das Wirtschaftssystem. Unser Wirtschaftssystem macht unsere Gesellschaft undemokratisch, nicht unser politisches System. Viele Menschen werden in Österreich bestraft (z.B. keine Arbeit bekommen oder keinen Wohnraum bekommen), wenn sie sich die Freiheiten (Meinungsfreiheit, …) herausnehmen, die ihnen zustehen.

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