Wo ist hier die Mittelschicht?

In den paralementarischen Sonntagsreden wird die Mittelschicht als Rückgrat beschworen, gefördert, beschützt oder entlastet. Keine Partei will auf sie verzichten. Warum auch, gefühlsmässig zählen sich die meisten ÖsterreicherInnen zu ihr. Niemand ist gerne arm und zu reich ist auch nicht schick. Am intensivsten wird die Mittelschicht von der ÖVP beschworen. Da ist es egal, dass das Lieblingsteckenpferd der Schwarzen die Studiengebühren eine klassische Mittelschichtsbelastung sind. Kinder von WenigverdienerInnen können auf Stipendien hoffen und Reiche spüren sie nicht. Bei den Mieten ist es ähnlich. Aber egal. Für die ÖVP sind regulierte Mieten ein Greuel, da muss die Liebe zur Mittelschgicht enden.

Aber die Mittelschicht ist für die ÖVP wichtig. Sie ist das Schutzschild gegen Vermögenssteuern. „Vermögenssteuern belasten die Mittelschicht. Das darf nicht sein“, tönt es regelmässig von schwarzen RednerInnen. Jetzt ist der neue Sozialbericht erschienen. Auch die Vermögensverteilung in Österreich wird dargestellt.

Wo ist hier die Mittelschicht?

Das Problem ist mit freiem Auge sichtbar. Bei der Vermögensverteilung gibt es praktisch keine Mittelschicht. Mehr als drei Viertel aller Haushalte liegen unter dem Mittelwert von rund 265.000 EUR an Vermögen. Die obere Mittelschicht (30% der Haushalte) hält gerade einmal 22% des Vermögens in Österreich. Die  Vermögenden  (15% der Haushalte) besitzen aber immerhin schon rund 29% und die obersten 5% halten satte 45% des gesamten Bruttovermögens. Vermögenssteuern, die ab 300.000 Euro ansetzen, treffen also zielsicher die reichsten 20% der Bevölkerung.

Es stimmt, man muss die Mittelschicht schützen. Vor den falschen Argumenten gegen Vermögenssteuern. Sie kosten der breiten Bevölkerung ein gutes Bildungssystem, ausgebaute Infrastruktur oder Investitionen in Umweltschutz und Innovation.

 

7 Kommentare bis jetzt.

  1. Martin Schürrer sagt:

    Was mir nicht klar ist: Wieso will man, dass die Vermögenssteuer 20% aller Haushalte trifft, anstatt nur auf die obersten 5% zu zielen?

  2. Martin sagt:

    Das Problem ist, dass die meisten Nichtprivilegierten Medien konsumieren, die ihnen nicht mitteilen, wie die Ressourcen wirklich verteilt sind.

    Würden alle Nichtprivilegierten Medien konsumieren, die ihnen mitteilen, wie die Ressourcen wirklich verteilt sind: Ich glaube, die meisten Nichtprivilegierten würden links wählen!

  3. asteinhauser sagt:

    Sg. Martin Schürrer!
    Natürlich kann man diskutieren, ab wann Vermögenssteuern greifen und wen sie treffen sollen. Klar ist aber, dass eine Vermögenssteuer, die die reichsten 5% trifft vom Einnahmnenvolumen her geringer ist, als eine Vermögenssteuer, die das reichste Fünftel der Bevölkerung trifft. Wie immer man eine Vermögenssteuer dann gestaltet, klar ist: wie man es dreht und wendet – die „Mittelschicht“ wird nicht getroffen.

  4. fuge sagt:

    die bulevardmedien helfen bei der schwarzen täuschung brav mit
    eh klar, die eigentümer von krone, heute und österreich gehöern zu den 5% auf jeden Fall betroffenen und stellen es verzerrend dar

  5. Martin sagt:

    An Fuge:

    Mich interessiert, ob Krone, Heute und Österreich die Ergebnisse des neuen Sozialberichtes veröffentlicht haben.

  6. I.B. sagt:

    Auch Sie sprechen immer sehr vage von Reichensteuer oder Mittelschicht, die nicht getroffen werden soll. Warum sagen Sie nicht klipp und klar, ab welchem Einkommen oder Vermögen man zur Mittelschicht gehört, ab wann zu den Vermögenden und dann zu den Reichen? Dann würden viele, denen es gefühlsmäßig recht gut geht, sich nicht mehr zur Mittelschicht zählen und wären frei von Ängsten, dass ihr mühsam Erspartes (Omas Sparbuch oder der kleine Häuslbauer etc) „weggesteuert“ werden soll und würden der ÖVP nicht mehr so leicht auf den Leim gehen.

    Aber: eine Eigentumswohnung kostet bereits 100 000 Euro, es wäre doch wirklich sehr wünschenswert, wenn man dann noch 200 000 Euro auf dem Konto hätte. Das sollte man eigentlich unterstützen statt bekämpfen.

    Sie sagen außerdem auch nie, mit welchem %Satz was besteuert werden soll. Also ein bisschen mehr Aussagekraft wäre schon angebracht, damit man sich auskennt.

  7. Paule sagt:

    Es wäre wahrscheinlich ratsam, hauptwohnsitzlich genutztes vermögen von der bemessungsgrundlage auszunehmen…

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