Weniger Lohn durch den Euro?

Eine Studie einer Schweizer Großbank sorgt für Diskussionen. Die Löhne in Österreich oder Deutschland sind seit Einführung des Euros gesunken, heißt es. Vorallem in den unteren Einkommensschichten soll es zu Einkommenseinbußen gekommen sein. Betroffen davon – so die Studie – sind die europäischen Industriestaaten. Übersetzt wird die Studie mit „der Euro ließ Löhne schrumpfen„.

Das ist falsch. Richtig ist, dass in Österreich oder Deutschland die ArbeitnehmerInnen seit fast zwei Jahrzehnten unter Reallohnverlust leiden. Mit dem Euro hat das nur sehr bedingt zu tun. Zum einen geben Unternehmen schlicht die erwirtschafteten Gewinne nicht mehr an ihre ArbeiterInnen und Angestellten, sondern an die KapitaleigentümerInnen weiter. Zum anderen setzen Österreich oder Deutschland den Lohnverzicht bewusst als Strategie ein. Deutschland, aber auch Österreich halten die Löhne niedrig, um innerhalb der Eurozone ihre Exporte zu verbilligen. Das ist auch ein Mitgrund für die europäische Krise: Die südeuropäischen Länder sind dadurch weniger konkurrenzfähig, haben Handelsbilanzdefizite, müssen Schulden machen und dafür hohe Zinsen zahlen, was auf Dauer nicht funktioniert. Die Sparpolitik bei den Löhnen ist ein Katalysator der Eurokrise und bringt die ArbeitnehmerInnen der Industriestaaten um ihren Lohn. Nicht der Euro senkt naturgesetzmäßig die Löhne, sondern die Lohnpolitik österreichischer oder deutscher Industrieunternehmen. Höhere Löhne in den Industriestaaten wären auch ein Beitrag zur europäischen Krisenbewältigung.

Die neuen ökonomischen Nationalisten machen für alles unmittelbar den Euro verantwortlich. Garniert wird das mit der Botschaft, dass dazu noch die Löhne in den den „Schuldenstaaten“, wie Griechenland oder Spanien gestiegen sind – Subbotschaft „wie ungerecht“. Die Wirtschaftsnationalisten erklären uns immer öfter, dass die ökonomischen Grenzen zwischen den wirtschaftlich starken und wirtschaftlich schwachen Staaten verlaufen und verteidigt werden müssen. Das ist Unsinn. Es hat sich nichts geändert: Die Grenzen verlaufen zwischen arm und reich – oben und unten – egal wo.

5 Kommentare bis jetzt.

  1. robot sagt:

    Die Meinung, dass alles nichts mit dem Euro zu tun hat teile ich nur bedingt.

    Der Euro hat vieles leichter gemacht. Gerade für Unternehmen. Die EU hat aber verabsäumt einheitliche Voraussetzungen für Arbeitgeber zu schaffen und die Entwicklung dadurch beschleunigt. Es darf eben nicht nur eine Währungsunion sein.

  2. Aus meiner kleinunternehmerischen Sicht entsteht der Reallohnverlust durch überbordende Steuerbelastung.
    Wenn ich mir ansehe wie viel ich für einen Angestellten abliefere und was dieser dann als Nettolohn erhält und dann letztendlich nach Abzug von MwSt und Mineralölsteuer dafür kaufen kann, verstehe ich die Angelegenheit auch nicht als Euro-Problem.
    Ich kann es mir als Unternehmer einfach nicht leisten die Löhne zu steigern, denn damit steigen auch die Lohnnebenkosten überproportional.
    Kurz gesagt: Ich sehe ein Problem mit den Lohnnebenkosten und zu hohen Steuern.
    Klingt neoliberal, soll es aber nicht sein, denn auch ich bin für eine hohe Steuerlast, wenn damit Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser finanziert werden.
    Ich steige aus, wenn ich Föderalismus, Proporz, Parteienhickhack und zig Krankenkassen finanzieren muss.
    Dann noch die Millionen für Korruption und schon klinge wie ein neoliberaler Unternehmer, obwohl ich eigentlich auch gerne meinen MA mehr bezahlen möchte und auf gepflasterten Straßen fahre.

  3. asteinhauser sagt:

    Lieber Andreas Ostertheimer!
    Verstehe, was du meinst. Wenn man sich mit deinem Posting auseinandersetzt wird auch klar, dass du kein Neoliberaler bist.
    Ich gehe davon aus, dass du als Kleinunternehmer wahrscheinlich selbst nicht die großen Einkommenszuwächse in den letzten Jahren gehabt hast. In vielen Indutriebetrieben war das über einen längeren Zeitraum aber anders. Da hat es eine aktive Umverteilung von den Löhnen zu den KapitaleigentümerInnen gegeben.
    Ich vermute du bist in der Dienstleistungsbranche. Vorallem dort sind die Löhne (und damit Lohnnebenkosten) im Verhältnis zu den sonstigen Kosten ein zentraler Faktor, weil sie den Hauptanteil der Produktionskosten ausmachen. Da wirkt dann natürlich auch die stärkere Belastung des Faktors Arbeit schwerer. Mein Vorschlag wäre daher nicht die Lohnnebenkosten absolut zu senken, sondern die Lohnsummensteuern anders zu berechnen, so dass nicht arbeitsintensive Branchen stark belastet und damit bestraft werden und technologisierte wenig arbeitsintensive Branchen gering belastet und belohnt werden. Das würde Arbeit fördern und die Kosten unter den Branchen gerechter verteilen.
    LG
    Albert Steinhauser

  4. JP sagt:

    Mein Vorschlag wäre, in Österreich endlich Lohnarbeit weniger und Vermögen höher zu besteuern. Österreich zählt zu den Ländern der OECD, in denen die Lohnsteuer am höchsten und die Vermögenssteuern am niedrigsten sind. Mir geht es da wie Armin Wolf: ich würde gerne wissen, was der Plan der Grünen ist, was eine Änderung des Steuersystems und die Besteuerung von Vermögen betrifft.
    Dass Glawischnig ausgerechnet zu einem Zeitpunkt wo dieses Thema nicht nur mich interessiert und von der SPÖ schon gut besetzt ist nicht in der Lage war, hier ein klares Konzept zu präsentieren und stattdessen ziemlich herumgestammelt hat, war meines Erachtens eine echte Katastrophe.
    Ein zweiter Vorschlag wäre, endlich auch mal dort zu sparen, wo schon mehrere Sparbudgets lang gar nicht eingespart wurde: bei den milliardenhohen direkten und indirekten Zuwendungen zu Religionsgemeinschaften. Oder aber auch bei den ebenfalls milliarden teueren Gieskannensubventionen der Bundesländer wo die Einsparungen weit unter dem erreichbaren liegen und die Landeskaiser bei den letzten Verhandlungen wieder mal ihre Macht ausgespielt und die Finanzministering klein beigegeben hat. Auch dazu ist von den Grünen wenig bis gar nichts zu vernehmen, obwohl sich dadurch die für Lohnarbeit ganz schön senken und/oder das Budget ganz schön sanieren ließe.

  5. albert steinhauser sagt:

    Zum grünen Vermögenssteuerkonzept – Beschlusslage ist: 100 000 Euro Freibetrag, dann 0,5% Steuern jährlich. Wer in bester Innenstadtlage ein Zinshaus im Wert von 1 Million Euro besitzt, zahlt also jährlich 4 500 Euro Steuern. Das ist verkraftbar und gerecht.

Einen Kommentar schreiben: