Mein Streitgespräch mit den Piraten im Standard

Ich habe in der Tageszeitung „Der Standard“ ein Streitgespräch mit Rodrigo Jorquera, Bundesvorstandsmitglied der Piraten geführt. Überraschend war für mich, dass der Pirat Netzpolitik und Datenschutz überhaupt nicht angesprochen hat, was Schade ist. Als Hauptabgenzungsmerkmal gegenüber den Grünen wurden keine inhaltlichen Differenzen oder Kritikpunkte angeführt. Vielmehr hat mein piratischer Diskussionspartner behauptet, dass die Grünen die parteiinterne Demokratie verletzten und sich anbiedern würden, um um jeden Preis in die Regierung zu kommen. Das hält aber jenseits diffuser Behauptungen keiner Überprüfung Stand. Wenn jetzt gerade die größte Korruptionsblase der 2. Republik platzt und die Grünen in der Aufklärung federführend sind, ist es fast absurd zu behaupten, dass die Grünen schmeichelweich wären und sich arrangiert hätten.

Ich habe die Piraten wiederum für ihren Stil kritisiert. Wenn auf Piraten-Stammtischen von Grünen als „Kampflesben“ oder in Aussendungen „als Teil des korrupten Systems“ die Rede ist. Das ist Wadelbeißerei alten Stils. Das gibt es alles schon – dafür braucht es eigentlich keine neue Partei. Auch, wenn  es Rodrigo Jorquera im Interview leugnet. Die Piraten haben sich derzeit die Grünen als Hauptgegner ausgesucht. Das ist natürlich ihr Recht. Für die Grünen verlaufen, aber die Konfliktlinien zu  ÖVP und FPÖ. Mit diesen Parteien findet die Auseinandersetzung um gerechte Vermögensverteilung, Überwachungsstaat oder eine modernen Bildungspolitik statt. → Das Streitgespräch in „Der Standard“ vom 2.8.2012

3 Kommentare bis jetzt.

  1. RealBorg sagt:

    Die Hauptgegner der Piraten sind erstmal die Piraten selbst, dann vielleicht die Grünen. In Sachthemen bestehen die größten Reibflächen aber wohl zur ÖVP, die Überwachung und den Abbau von Bürgerrechten vorantreibt, der SPÖ, die diese Politik für die Regierungsbeteiligung mitträgt und der FPÖ, für die der Kampf gegen die Überwachung nur ein populistisches Mittel ist.

  2. Ikadis sagt:

    Kann es sein, dass die Piraten die Grünen mit den Sozialdemokraten verwechseln? Bei den P. hab ich immer das Gefühl: Hauptsache dagegen. Wofür sie sind erschließt sich nicht. Sie können daher ein Auffangbecken für jene werden, die auch nur „dagegen“ sind. Also gebt den Leuten etwas „wofür“ sie sein können/müssen.

  3. Johannes Ranz sagt:

    Sry, leider hab ich auch schon Probleme die Grünen von der SPÖ abzugrenzen, was gerade wieder beim Arbeitskampf der Wiener Abfallberater sichtbar wurde!Da ist eindeutig der Koalitionsfriede wichtiger als sich ans eigene Regierungsübereinkommen zu halten. siehe: http://abfallberatung.blogspot.co.at/p/archiv-faq.html

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