Wohnen muss wieder leistbar werden!

Österreich erlebt im Mietbereich eine Teuerungswelle ungeahnten Ausmaßes. In den Jahren 2000 bis 2010 ist der Hauptmietzins durchschnittlich um 40% im Altbau sogar um 58% gestiegen. Im gleichen Zeitraum sind aber die Löhne nur um durchschnittlich 22% gestiegen. Damit ist belegt, dass immer mehr vom Einkommen für Wohnen ausgegeben werden muss.

Warum aber wird Wohnen teurer, obwohl das Mietrechtsgesetz die Mietzinsbildung reguliert? Tatsache ist, dass das Mietrecht seine Schutzfunktion nicht mehr erfüllt. Mangelnde Transparenz und zahlreiche Ausnahmen haben das Gesetz an den Rand der Anwendbarkeit gebracht. Selbst dort wo die Mieten reguliert werden müssten, haben sich die real verlangten Mieten längst von den gesetzlichen Vorgaben entkoppelt. In der Praxis gilt die Phantasiemiete der VermieterInnen. Die betroffenen MieterInnen haben wenig Alternativen zumal es auf Grund zu wenig neu gebauter Wohnungen eine zunehmende Knappheit an Wohnungen gibt.

Im Sog der Wirtschaftskrise hat sich diese Entwicklung noch weiter verschärft. Durch die Flucht der AnlegerInnen in die sichere Anlageform Immobilie sind die Immobilienpreise weiter massiv gestiegen. Dadurch wird aber auch Druck auf die Mieten ausgeübt, weil eine den überhitzten Immobilienpreisen entsprechende Rendite erwartet wird.

Wir brauchen daher dringend eine große Mietrechtsreform. Noch blockiert die ÖVP mit ihrer Klientelpolitik. Ein neues Mietrecht muss fair, transparent und durchsetzbar sein.

→ So soll ein fairer und transparenter Grüner Mietzins ausschauen

2 Kommentare bis jetzt.

  1. Hannes sagt:

    Leider melden sich auf solche Vorschläge viel zu wenig VERmieter zu Wort. Ich hätte auch gerne Brot um maximal 1 Euro und einen VW Golf um maximal 8.000 Euro.

    Was Sie postulieren, ist nicht „fair und transparent“, sondern „wir wollen so viel wie möglich und so wenig wie möglich dafür zahlen“.

    Die Mieten steigen nicht, weil die bösen Vermieter sie den Leuten aufdrängen (sonst würden nicht bei einer Besichtigung einer angeblich so teuren Wohnung 40-50 Personen erscheinen), sondern weil es der Markt so regelt: wenig Angebot (kein Platz für Neubauten in zentraleren Gegenden, Hochhäuser verboten, wenig kommunaler Wohnbau) trifft auf viel Nachfrage (viele Single-Haushalte, Wien hat in den letzten 20 Jahren eine Viertelmillion Einwohner dazugewonnen).

    Warum gibt es denn immer weniger unbefristete Mieten? Ganz einfach, niemand (auch Sie nicht) möchte sich mit einem Vertrag auf die nächsten Jahrzehnte binden, ohne jemals die Möglichkeit zu haben zu kündigen, oder den Preis anpassen zu dürfen. Ein von Ihnen geforderter Abschlag von 40% für 3-Jahresbefristungen, Niedrighaus-Standard (wollen Sie bei allen Altbauten die Fassade begradigen und wärmedämmen?) sind leider nicht realistisch.

    Nehmen wir zum Beispiel eine 50-Quadratmeter-Wohnung am Brunnemarkt, die ich mir privat kaufe und für 3 Jahre vermiete (übrigens ein Thema, das immer mehr trifft). Nehmen wir an es ist ein schöner Altbau ohne Lift, innen mit viel Liebe saniert, Parkettboden, hohe Räume, neue Küche etc., Haus in Ordnung, kein Lift. Die derzeitige Kategoriemiete für Kategorie A ist EUR 5,16, Lagezuschlag gibt es am Brunnenmarkt nicht. Mit Ihrem Abschlagsystem kann ich gleich mal viel streichen (Befristung, kein Lift, kein Niedrigenergiehaus), wahrscheinlich so 60%. D.h. der Vermieter bekommt pro Monat 5,16 x 50 x (1-60%) = 103,20 Euro. Der Mieter zahlt noch Umsatzsteuer (10,32 Euro) und Betriebskosten (brutto ca. 100 Euro), somit sind wir bei 213,52 Euro.

    Ich habe schon seit 10 Jahren keine Wohnung um 213,52 Euro monatlich gesehen, nicht einmal eine Bruchbude. Und rechnen Sie sich das mal aus Vermietersicht aus: sie verdienen jährlich 103×12 = 1.236 Euro. Eine nette Wohnung in der angegebenen Lage und Grösse kostet ca. 125.000 Euro. D.h. ich habe eine Rendite von unter 1 Prozent, und darf aber noch Instandhaltungen tätigen, die Buchhaltung zahlen etc. etc.

    Vollkommen unrealistisch. Ich verstehe dass Sie gerne weniger fürs Wohnen zahlen wollen. Alle wollen das (jeder zahlt gern weniger!) Aber wie die Mikroökonomie schon seit langem festgestellt hat: Preisober- oder untergrenzen funktionieren nicht, sie bedeuten einen Nettowohlfahrtsverlust.

  2. albert steinhauser sagt:

    Sg. Hannes!
    1. Sie sagen, dass Mieten sich steigern, weil der Markt es so regelt. Sie übersehen, dass es beim Mietzins vom Gesetz her keinen freien Markt gibt und gestehen damit auch indirekt zu, dass man sich oftmals schlicht über das Gesetz hinwegsetzt.
    2. Zwischen Wohnung und Auto gibt es doch Unterschiede. insofern greift ihr Vergleich nicht. Das wissen sie auch. Würde der Brotpreis explodieren und die Grundversorgung gefährdet sein, würde man das übrigens zu Recht ebenfalls regulieren.
    3.Eine Befristuung damit zu erklären, dass man den Preis anpassen will, ist gesetzlich ebenfalls nicht denkbar. Wenn sich die Austattung der Wohnung nicht ändert, kann sich auch der zulässige Mietzins nicht ändern.
    4. Wie sie zu ihren Berechnungen kommen, erklärt sich nicht aus meinem Modell. Ich habe bewußt den Grundbetrag zahlenmässig nicht benannt, weil ich nicht will, dass die grundsätzliche Debatte über die Mietzinsgestaltung gleich wieder vom Geschrei über die Höhe übertönt wird. Steht das System wie der Mietzins berechnet wird, kann die Debatte über den Grundbetrag beginnen.
    mfG
    Albert Steinhauser

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