AnonAustria und ein Aprilscherz: darf man das?

Anonymus Austria hat angekündigt mit dem heutigen Inkrafttreten der Vorratsdatenspeicherung – quasi als Revanche – gehackte PolitikerInnen-E-Mails von SPÖ, ÖVP und FPÖ zu veröffentlichen. Korruption und Rechtsextremismus würden die Republik erschüttern, hat es im Vorfeld geheißen. Heute Nacht hätte es losgehen sollen – das ganze hat sich aber als Aprilscherz erwiesen. Politische Nachtschwärmer haben umsonst auf die E-Mails gewartet. Was soll man davon halten?

Bezeichnend ist, dass nur wenige ernsthaft daran gezweifelt haben, dass es diese E-Mails gibt. Das sagt alles über die Republik. Die meisten halten es zu Recht für realistisch, dass die gesammelten E-Mails roter, schwarzer und blauer PolitikerInnen ein Sittenbild aus Korruption und Rechtsextremismus ergeben. Die politische Unschuldsvermutung ist schon lange verspielt.

Natürlich darf AnonAustria alle am Schmäh halten – die rot-schwarz-blauen PolitikerInnen machen das in anderer Weise (Stichwort „Vorratsdatenspeicherung zur Korruptionsbekämpfung“) ja auch. Ob es dem Kollektiv genutzt hat, sollte zumindest hinterfragt werden. Die Glaubwürdigkeit für künftige Hacks könnte jedenfalls gelitten haben. Ob das dieses Scherzchen Wert war, weiß ich nicht, aber das soll bei AnonAustria diskutiert werden.

Ob es der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung geholfen hat, bezweifle ich aber. Vielleicht hat es eine panische FPK dazu gebracht aus Angst vor Veröffentlichungen jetzt doch eine Verfassungsbeschwerde einzubringen. Klar ist aber auch, dass in den letzten Tagen vielleicht auf Kosten einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Vorratsdatenspeicherung intensiv in den Medien über AnonAustria und ihre angekündigten Veröffentlichungen berichtet wurde. Diesen Platz hätte man besser nützen können. Aber andererseits – heute ist 1. April und da muss man auch über sich selbst lachen können, schließlich sind wir alle auf den Aprilscherz hineingefallen.

9 Kommentare bis jetzt.

  1. 12376345234 sagt:

    Total Fail !

  2. albert steinhauser sagt:

    Why? Ich würd gerne darüber mit dir diskutieren.

  3. Peter sagt:

    teile ihre ansicht 100%ig! nur ob es „diesen platz“ in den medien gegeben hätte, ist halt auch fraglich …

  4. CarivoreX sagt:

    Anonymous Austria ist so komplex und hat so viele unterschiedlich denkende Mitglieder dass man nicht jetzt schon Anschuldigungen tätigen kann oder davon ausgehen kann dass Anon nur ein Haufen Quacksalber ist.

    Wir sind Anonymous, keiner weiß was wir als nächstes tun 😉

  5. Albert Steinhauser sagt:

    Weder habe ich Anschuldigungen erhoben, noch Anon Quacksalber genannt. Hab eher eine nüchterne Analyse gemacht und an den Humor appelliert. Den Rest muss ohnedies Anon diskutieren…

  6. Andi D sagt:

    Ich habe das Gefühl, als hätten sie einfach mal erwähnt, sie hätten was um so an „echte“ informatinen zu kommen indem sie als Sammelstelle dienen – das hat wohl nicht funktioniert. Aber macht ja nichts, es ist doch der 1. April 😉
    Eine smuss man ihnen aber lassen: „Pitdog“ war gut gewählt – nimeand hats begriffen, und es ist schwammig genug um evtl. doch einen Leak zu machen.

    Die Glaubwürdigkeit wird sicher darunter leiden – ab jetzt werden sie handfeste Beweise und Fakten benötigen um wieder ernst genommen zu werden.

    Naja, hoffentlich kippt damit auch mal die zentralisierte Struktur, welche Anon in Österreich schleichend eingenommen hat.

  7. Ich bezweifle, dass es eine „ernsthafte“ Debatte über die Vorratsdatenspeicherung gegeben hätte, hätte es die #OpPitdog nicht gegeben.

    Das liegt wohl dran, dass es dem Großteil der Bevölkerung leider nach wie vor egal sein dürfte, was über sie gespeichert wird. Entweder wissen diese gar nichts von der VDS, oder aber es herrscht nach wie vor die Meinung „mir ist das egal, ich hab nichts zu verbergen“.

    In soferne hat #OpPitdog zumindest dazu geführt, dass die VDS zumindest, wenn auch nur am Rande und im Zusammenhang mit Anonymous in der Öffentlichkeit verstärkt vorkam.

  8. […] grüne Justizsprecher Albert Steinhauser schreibt dass klar sei, „dass in den letzten Tagen vielleicht auf Kosten einer ernsthaften […]

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