Strache und die neuen Juden

FPÖ-Chef Strache hat laut Standard die Proteste gegen den rechtsextremen WKR-Ball mit der Judenverfolgung während der NS-Zeit verglichen:  „Wir sind die neuen Juden“ oder „die Angriffe auf Burschenschafter-Buden vor dem Ball seien wie die Reichskristallnacht gewesen“, soll er zum Besten gegeben haben.

Zur Erinnerung: während der Reichskristallnacht eigentlich Reichspogromnacht wurden rund 1 400 religiöse jüdische Einrichtungen zerstört und 30 000 JüdInnen in Konzentrationslager deportiert. Der Vergleich ist politisch absurd und eine Täter-Opfer-Umkehr der übelsten Sorte. Wer die Verfolgung von JüdInnen derart missbraucht ist entweder ungebildet (das mag bei Strache grundsätzlich zutreffen, dürfte aber nicht der Hintergrund der Aussage sein) oder will mit diesem Zynismus die Opfer der Nazis bewusst provozieren.

Die Stilisierung zum Opfer passt auch in das Psychogramm von Strache. Zwar mimmt er den blauen Führer, tatsächlich leidet er an massiven Ängsten. Er fühlt sich verfolgt und sieht sich als Opfer. Während das bei Haider Teil der Inszenierung war, dürfte Strache an einem Minderwertigkeitskomplex leiden. Er buhlt um Anerkennung und wo er sie nicht bekommen kann, sieht er sich verfolgt.

Die rechten Recken sind aber auch über die „Zurückhaltung“ der Polizei empört. Gerne hätten sie gesehen, dass man mit gezücktem Schlagstock ausrückt. Warum? Bilder entscheiden über die Bewertung der Ereignisse. Gewalt bei Demonstrationen hätten den Burschenschaftern in die Hände gespielt. Dafür hätte man gerne die Polizei missbraucht gesehen.

PS: Rücktrittsaufforderungen spare ich mir an dieser Stelle – sie sind in Östereich sinnlos.

 

4 Kommentare bis jetzt.

  1. Wünnenberg Andreas sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich kann Sie nur bitten, alles zu tun, um solche reaktionäre Volksverhetzer an weiteren Unsäglichkeiten zu hindern und wünsche Ihnen dazu viel Kraft. Herrn Strache habe ich mit folgenden Zeilen mitgeteilt, was ich von ihm halte:

    Herr Strache,

    da Sie auf Ihrer eigenen Website keinen E-Mail-Link zum Besten geben, muss ich Sie halt über diesen Verein hier ansprechen.

    Die Dumpfdreistigkeit, mit der Sie und Ihr obskurer Verein, der sich eine Partei schimpft, Verbalmüll sondergleichen ausspeien und eine widerliche Stimmungskampagne gegen alles veranstalten, was nicht in Ihre Scheuklappensicht passt, war schon immer schwer zu ertragen.

    Nun aber haben Sie es zu weit getrieben. Ihr Judenvergleich ist durch nichts zu entschuldigen – auch nicht durch ein paar Bier zuviel, die Sie aus dem Burschenschaftsstiefel in der Hofbrug erwischt haben mögen. Dass Sie dieses widerwärtige vorgestrige wie dummbatzige Uniformen- und säbelgeschwängerte Hohlkopfevent ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag durchkaspern müssen, ist schon geschmacklos genug. Sie aber besitzen noch die Frechheit, sich und Ihren säbelschwingenden Faschingsverein auf eine Stufe zu stellen mit den Opfern der Reichsprogromnacht. Das ist dumm, das ist dreist, das ist untragbar. Dass sie danach dann noch herumstottern, falsch verstanden worden zu sein und sich gleich ein weiteres Mal als ein Opfer (der Presse) darstellen, zeugt des weiteren von einem gerüttelt Mangel an Courage, die umgekehrt kongruent zu Ihrer großen Klappe ist und zeigt erneut, wie klein im Geiste Sie doch sind. Arbeiten Sie doch lieber als Model für Bügelfaltenjeans oder Gebissreiniger, da richten Sie weniger Schaden an und halten vor allem Ihr Mundwerk, das Ihrem Verstand immer mächtig vorauseilt.

    Herr Strache, machen sie, was Sie wollen, aber machen Sie sich dünne, Sie sind nicht mehr zu ertragen. Verbindlichsten Dank .

    Soweit mein Schrieb an Strache über die FPÖ-Adresse, da der Herr auf seiner eigenen Website (ein Madame-Tussaut-Kabinett – fast schon -Kabarett strachescher Eitelkeit in Wort und vor allem Bild)keine eigene Emailadresse preisgibt.

    Herzlichen Gruß
    Andreas Wünnenberg

  2. Martin sagt:

    Ich finde es schlimm, dass die ÖVP eine Koalition mit dieser Partei nicht ausschließt. Die ÖVP geht, wenn es um die Interessen der Reichen, Großbanken und Großkonzerne geht (die FPÖ ist die Vertreterin der Reichen, Großbanken und Großkonzerne), mit allen ins Bett — da kennt die ÖVP keinen Genierer.

  3. kfh sagt:

    „Verfogungswahn“:

    Waren Sie eigentlich schon einmal bei einer FPÖ-Wahlveranstaltung ? Haben Sie da erlebt, wie man mit Gegenständen beworfen wird ? Haben Sie das schon bei einer Wahlveranstaltung einer anderen Partei erlebt ?

    Wie viele FPÖ-Parteilokale werden regelmäßig zerstört, und wieviele der Grünen ?

    Die physische Verfogung Andersdenkender durch Linksextreme ist nicht eingebildet, die ist real.

  4. maldoror sagt:

    Folgt man der unsäglichen Logik eines hc Strache, so bedeutet diese grausliche Aussage, die er getätigt hat, daß alle, die an dieser friedlichen und extrem notwendigen Demo teilgenommen haben, „neue nazis“ sind und eine „neue Reichskristallnacht“ herbeigeführt haben. ich würde mich gerne an einer Sammelklage aller derart verunglimpften Bürger beteiligen. Schlimm genug, daß in Österreich, nicht im Vorfeld entsprechende Aufschreie, zB. des BP zu vernehmen waren. Immerhin war der Schauplatz die Hofburg. Während in Deutschland dieser historische und wahrlich traurige Tag voller Ernst und Ehrfurcht begangen wurde, ist Hierzulande wieder mal die sprichwörtliche Hölle los. Die Mittschuld trägt hier mindestens eine Staatstragende Partei, die es noch immer nicht lassen kann, ihre eigene schwarze Geschichte zu beschönigen und dem braunen Bodensatz immer wieder den Persilschein ausstellt um ja nur nicht die Lieblingsoption aufgeben zu müssen. Das Sie damit die Demokratie aufgeben, begreifen ein Herr Kopf und seine „Wert“-konservativen Freunde wohl nie.
    Es schmerzt, ich weiß nicht, wie ich dieses, mein Land, lieben soll, wenn ich mich vor im ekeln muß.

    GKÖ

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