25 Jahre Grüne, was denkt ihr darüber?

Wir Grüne feiern morgen „25 Jahre im Parlament“. Ich bin überzeugt, dass die Grünen vieles in dieser Republik verändert und beeinflusst haben. Auch ohne Regierungsbeteiligung waren wir in vielen Fragen eine bestimmende Kraft.

Wo stünde diese Republik nach 25 Jahren blauer Brachial-Antiausländerpolitik, wenn die Grünen nicht oftmals ohne Rücksicht auf Wahlergebnisse gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck Stellung bezogen hätten? Dort, wo breite Teile der SPÖ in Deckung gegangen sind, haben Grüne den Kopf gegen den rechten Sturm gehalten.

Das Thema Umweltpolitik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zuerst wurden unsere Ideen ins Lächerliche gezogen, als das nichts geholfen hat, bekämpft und jetzt wird so getan, ob ohnedies immer alle für die Umwelt eingetreten sind. Keine Frage auch das ist ein Erfolg über den man sich freuen darf.

Wer verteidigt BürgerInnenrechte  im Parlament, wenn nicht die Grünen? In Österreich hat es nie eine Revolution gegeben – es fehlt jede Sensibilität für Grundrechte – die Grünen leisten trotzdem schon jahrelang verlässlich Widerstand gegen den ausufernden Überwachungsstaat.

Wer würde in Österreich Korruption aufdecken oder in welcher Partei hat es in 25 Jahren keinen einzigen Korruptionsfall gegeben? Während die FPÖ als selbsternannte Partei der Sauberkeit Stammgast in den Gerichtssäle ist und sich an den Futtertrögen der Politik bedient, kontrollieren grüne Abgeordnete in zäher Kleinarbeit die Mächtigen dieser Republik.

Vier Beispiele, die zeigen, dass Grüne nicht wegzudenken sind. Manches ist uns gelungen, anderes muss aber auch besser werden. Wir gehören zu den stärksten Grünparteien in Europa, da wir aber vieles verändern wollen, dürfen wir damit nicht zufrieden sein.

Ich würde mich freuen, wenn euch/sie dieser Text zu Kritik und Lob an den Grünen anregt. Was ist deine/ihre Meinung? Wo waren die Grünen gut – wo sollen sie besser werden?

11 Kommentare bis jetzt.

  1. charly grill sagt:

    die überschrifft duftet nach weihrauch. 10,4% nach 25 jahren ist zu wenig. wenn man in parlamente geht, muss man regieren wollen, das heißt man muss 20% wollen und den mut haben das den menschen auch zu sagen. es scheitert nicht an den inhalten sondern daran wie und wo man diese an die menschen heranbringt. dazu gibt es eine einfache, immer zutreffende analyse, je besser in den gemeinden gearbeitet wird, also je näher bei den menschen, um so besser alle anderen wahlergebnisse. es ist relativ leicht recht zu haben aber viel arbeit recht zu bekommen.

  2. Martin sagt:

    Grundsätzlich mag ich die Grünen. Ich verdanken ihnen auch persönlich etwas, da ich homosexuell bin. Es ist sicherlich den Grünen und dem LIF (teilweise spielte da auch die SPÖ eine Vorreiterrolle) zu verdanken, dass Homo- und Bisexuelle und Transgenderpersonen in der Gesellschaft akzeptiert werden (das Ziel ist für mich aber erst dann erreicht, wenn Homo- und Bisexuelle und Transgenderpersonen nirgendwo mehr als außergewöhnlich wahrgenommen werden — davon sind wir leider noch ein Stück entfernt). Die Grünen treten auch seit Anbeginn scharf gegen Rassismus und die Benachteiligung von MigrantInnen ein — ich hoffe, dass dieser Einsatz bald genauso erfolgreich sein wird, wie der Einsatz für Homosexuelle, Bisexuelle und Transgenderpersonen (es wäre ein Traum, wenn niemand in der Gesellschaft mehr rassistisch wäre, niemand mehr MigrantInnen benachteiligen möchte, usw.). Für die Befreiung der Frauen setzen sich die Grünen ebenfalls stark ein — begonnen hat damit aber sicherlich die SPÖ (und man hat der SPÖ in diesem Bereich auch viel zu verdanken, besonders Johanna Dohnal). Die Frauen sind leider noch nicht befreit. Ich hoffe aber, dass auch die Frauen bis spätestens 2015 wirklich frei sind (10 Jahre will ich nicht mehr warten!!!).
    Leider befinden wir uns seit ein paar Jahrzehnten im Neoliberalismus — und der ist auch an den Grünen nicht spurlos vorübergegangen. Der Neoliberalismus hat die meisten Parteien — auch die Grünen — langweilig (= visionslos) gemacht. Ich habe das Gefühl, dass man seit Beginn des neoliberalen Zeitalters Visionen als unseriös ansieht. Warum das so ist, weiß ich nicht. Menschen mit Visionen müssen nicht automatisch unseriös und unsachlich sein. Ich glaube sogar, dass TräumerInnen mehr zu Stande bringen — sofern man nicht nur träumt, sondern auch an der Verwirklichung von Träumen arbeitet. Ich finde, dass die Grünen langweilig geworden sind, weil sie, so mein Eindruck, aufgehört haben, zu träumen. Sie wollen unbedingt seriös wirken — und das Pech ist, dass momentan die meisten mit Seriosität Langweile und Visionslosigkeit verinden (wir befinden uns ja immer noch im Zeitalter des Neoliberalismus). Ich würde mir wünschen, wenn die Grünen (und überhaupt alle Parteien) wieder anfangen würden zu träumen, wie man die Welt retten kann (an Konzepten, wie man die Welt retten soll, sollen sie natürlich auch arbeiten, nur zu träumen ist zu wenig).

  3. Martin sagt:

    Noch etwas:

    Die Grünen sollten sich öffnen. Da fast nur die gebildete Oberschicht grün wählt, wirken die Grünen etwas elitär — das gefällt mir an den Grünen weniger.

    Ich bin davon überzeugt, dass die Grünen — wenn sie auf diese Menschen zu gehen würden – auch die FPÖ- und BZÖ-WählerInnen gewinnen könnten — ohne dabei die Inhalte von FPÖ und BZÖ übernehmen zu müssen.

    Ich wollte jetzt aber nicht klassistisch sein — hier die gebildete Oberschicht, dort die FPÖ- und BZÖ-WählerInnen (die meistens wenig gebildet sind). Ich hoffe darauf, dass irgendwann alle Menschen gleich hoch gebildet sind. Ich sehe ungebildete FPÖ- und BZÖ-WählerInnen also keinesfalls als dumm an, sondern wünsche ihnen, dass sie irgendwann, sofern sie das wollen, eine hohe Bildung erreichen können (ich sagen können, weil die meisten wahrscheinlich, wegen unseres antiegalitären Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungssysems wahrscheinlich noch keine Möglichkeit gehabt haben).

  4. Erich Reder sagt:

    Sg. Hr. Steinhauser!
    Ihr Zitat:
    25 Jahre Grüne, was denkt ihr darüber?
    Zitatende;

    Wie kann eine derartig realitätsfremde Truppe so lange Zeit existieren? Das denke ich darüber. Aber wie die letzten Wahlergebnisse zeigten, geht der Trend ohnehin bereits abwärts.
    MfG
    Erich Reder

  5. Alex Foster sagt:

    Nach 25 Jahren sollte man reflektieren.
    Ich denke die Grünen sind fester Bestandteil der politischen Landschaft und deren Themen breit in der Bevölkerung verankert.
    Was die Partei aber dringend braucht ist ein Personsnwechsel. Nach 25 Jahren sind immer noch die gleichen Leute an der Führungsspitze. Darunter sind viele, die die Partei aufgebaut haben, aber es wäre an der Zeit eine neue Generation aufzubauen. Und man muss endlich diesen elitären Charakter ablegen. Van der Bellen war ein Fachmann, doch damit eine Ausnahme. Es würde den Grünen auch sehr gut zu Gesicht stehen, wenn sie ihre Spitzenpolitiker nicht nur aus dem universitären Feld rekrutieren, sondern mehr aus den Gemeinden.
    Als Fazit kann man sagen; es müssen neue Personen her, die frischen Wind in die Partei bringen. Mir gefällt es zb. gut, wenn ein grüner Spitzenpolitiker auch etwas konservativ und bodenständig ist, so wie zb. in Baden Würtemberg.

  6. helwig sagt:

    Eigentlich schade, dass die Grünen nur im urbanen Bereich ordentlich Stimmen finden. Warum Sie unsere Bauern nur wenig ansprechen können, sollte ja grundsätzlich für eine Grünbewegung ein herber Schlag sein. Aber tatsächlich wird das bäuerliche Feld ziemlich kampf- und konzeptlos den Schwarzen überlassen. Gerade bei dieser Klientel stösst natürlich die konsequente Verteufelung des Individualverkehrs auf totales Unverständnis! (Mit der BIM vom Bauernhof ins EKZ??)

  7. Albert Steinhauser sagt:

    Danke für die interessanten Diskussionsbeiträge, die die Problembereiche der Grünen sehr hilfreich analysiert haben.

    zu charly grill:
    Nein, um Weihrauch geht es nicht. Ich will, dass man nicht alles „krank“ redet, aber auch Bereitschaft zur Selbstkritik mitbringt. Ich stimme ihnen in ihren Ausführungen zu. Mein letzter Satz im Blogbeitrag, dass wir nicht zufrieden sein sollen, sondern stärker werden müssen, bringt das auch zum Ausdruck.

    zu Martin:
    Die Grünen sind sicher die Partei, die am stärksten gegen neoliberale Tendenzen auftreten sind. Klar ist aber auch, dass durch die neoliberale Hegemonie in den letzten Jahren den Grünen ein scharfer Wind entgegegen geweht hat. Die Grünen sind aber weniger eine Elitenpartei, sondern als Partei, die sich aus den Nachfolgebewegungen der 68er gegründet hat, eine bildungsorientierte „Mittelschichtspartei“. Genau das erschwert die Expansion in andere WählerInnensegmente, weil es für neue WählerInnengruppen wenig persönliche Anknüpfungspunkte gibt.

    zu Alex Foster:
    Ich würde schon sagen, dass ein Generationenwechsel stattgefunden hat. Pilz ist der letzte aus der Gründergeneration. Zum elitären Charakter habe ich im vorigen Absatz meine Sicht dargestellt. Aber ich gebe ihnen Recht: die große Herausforderung ist es, sich zu neuen Bevölkerungsgruppen zu öffnen ohne in den politischen Konturen unklar und beliebig zu werden. Ein Drahtseilakt.

    zu helwig:
    Ich sage es ehrlich: als Wiener Abgeordneter sind Analysen zur bäuerlichen Bevölkerung für mich natürlich schwer. Da kann es aber unabhängig von unserer Positionierung zum Individuaklverkehr schon auch Differenzen über ökologischen Landbau und Tierschutz geben. Schwerer wiegt aber, die geringe Grüne Dichte an MultiplikatorInnen am Land (siehe auch Kommentar charly grill). Auf den Stammtischen kann der Bauernbund jeden Unsinn über grün erzählen. Es gibt dann niemand der widerspricht.

  8. Martin sagt:

    Ich habe das Umweltthema komplett vergessen! Dass mittlerweile allen bewusst ist, dass wir auf unsere Umwelt aufpassen müssen, ist NUR den Grünen zu verdanken!

    Die Grünen haben es geschafft, dass sich heute alle Parteien mit dem Umweltschutz beschäftigen.

    Leider ist es aber so, dass die meisten Menschen und die meisten Parteien immer noch viel zu wenig im Bereich Umweltschutz machen bzw. bereit sind zu machen. Am meisten machen im Bereich Umweltschutz bzw. sind bereit zu machen — LEIDER! — immer noch die Grünen.

    Ich vertrete beim Thema Umweltschutz folgende Position: Es muss so viel gemacht werden wie notwendig. Ich bin mir oft nicht sicher, ob auch die Grünen so viel wie notwendig machen bzw. machen wollen.

    Zu Albert Steinhauser noch etwas:

    Sie sagen, die Grünen seien am stärksten gegen neoliberale Tendenzen aufgetreten. Das dürfte stimmen. Die Grünen sind sicherlich die Parlamentspartei, die am stärksten gegen den Neoliberalismus aufgetreten sind und immer noch auftreten — aber leider VIEL ZU WENIG!
    Ich habe auch weniger die österr. Grünen gemeint, sondern von allen grünen Parteien weltweit gesprochen. Da habe ich schon den Eindruck, dass viele den Neoliberalismus in ihr Parteiprogramm aufgenommen haben. Wenn ich an Rot-Grün in Deutschland von 1998 bis 2005 denke, wird mir schwindlig! Obwohl Rot-Grün die linkeste Regierung war, die Deutschland gebhat hatte, machte Rot-Grün die bisher neoliberalste Politik in Deutschland! Ich gehöre ja auch zu denen, die sich für Österreich Rot-Grün oder Grün-Rot wünschen. Ich habe aber oft die Befürchtung, dass das genauso eine Katastrophe wie in Deutschland wird.

  9. Martin sagt:

    An Charly Grill:

    Da stimme ich Ihnen zu! Die Grünen müssen mehr vor Ort, z.B., in den Gemeinden sein. Wenn die Grünen nur im Parlament sind, kann sich fast niemand mit ihnen persönlich identifzieren!

    An Erich Reder:

    Die Grünen sind realitätsfern!? Also, ich kenne keine Partei, die realistischer und vernünftiger als die Grünen sind! Realitätsfern sind die Blauen und die Orangen: Die kritisieren alles! Funktionierende Lösungsvorschläge bringen sie aber selten.

    An Alex Foster:

    Mir sind fast alle GrünpolitikerInnen sympathisch, auch die meisten von denen, die schon lange ein politisches Amt inne haben (Alexander Van der Bellen, z.B., ist mir sehr symphatisch, auch wenn ich einige seiner Meinungen oft scharf kritisiere). Mich würde es nicht stören, wenn die, die schon lange ein politisches Amt inne haben, bleiben. Wo ich Ihnen zu 100 % zustimme: Die Grünen müssen es endlich schaffen, WählerInnen aus allen Schichten zu gewinnen! Dabei hoffe ich aber, dass sie keine Ständepartei werden, die die verschiedenen Schichten aufrechterhalten wollen. Ich wünsche mir nämlich eine egalitäre Gesellschaft, wo alle gleich viel haben (gleich hohe Bildung, gleich hohes Einkommen, gleich hohes Vermögen, usw.).

    An Helwig:

    Das frage ich mich auch, warum nur wenige LandwirtInnen grün wählen. Ich wuchs selber am Land auf. Die meisten LandwirtInnen, die ich kenne sind grün (sie lieben Tiere, legen wert auf eine saubere Umwelt, usw.), wählen aber nicht grün.
    Ich glaube nicht, dass die Grünen den Individualverkehr komplett ablehnen. So wie ich das mitbekommen habe, sind die Grünen für so viel Individualverkehr wie notwendig. Es ist eine Tatsache, dass viel Individualverkehr einfach nicht notwendig wäre. Man könnte den Individualverkehr z.B. dadurch drastisch senken, in dem anders gebaut wird: Alle, die nicht am Land leben müssen (eigentlich müssen nur LandwirtInnen am Land leben) sollen in der Stadt leben. In der Stadt braucht man kein Auto. Das weiß ich, da ich in Wien wohne.

  10. asdf sagt:

    25 Jaher grüner Schwachsinn! So denken viele darüber Herr Steinhauser!

  11. charly grill sagt:

    ich will den weihrauch ein bisschen verblasen und konkreter werden. ihr seid unter bedingungen für den euro-rettugsschirm. ich lese nach im grünen grundsatzprogramm (aus dem jahre 2001!), kapitel wirtschaftspolitik. da steht als zentraler begriff nachhaltigkeit, ziemlich nebulos, das gefällt den leuten die zettel beschreiben und gut davon leben aber was soll ein installateur, mechatroniker ….. damit anfangen? selbst die zettelaffinen werden sich keinen reim daraus machen können, wie die grünen zu wachstum, buchgeldvermehrung in milliardendimensionen… stehen.
    ich stelle einmal die these zur diskussion, dass programmatisch vieles nicht am stand der zeit ist, von „der zeit voraus“ (piraten) oder der praktischen umsetzbarkeit in konkrete lebensentwürfe möchte ich gar nicht reden.
    jezt hab` ich den letzten bundeskongress (auf eurer homepage nicht existent, nicht einmal eine tagesordnung) in innsbruck besucht. ein prominenter abgeordneter meinte: „das ist eine zu teuer geratene pressekonferenz“, dem muss ich vollinhaltlich zustimmen.
    salopp (politisch) formuliert kommt ihr als bessere spö/övp daher, wenigstens nicht als bessere fpö.

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