Jetzt wird nach dem Platzsturm der Rapid-Fans beim Wiener Derby gegen die Austria auch über Verschärfungen im Parlament nachgedacht. Die Innenministerin fordert ein Vermummungsverbot – Sportminister Darabos will strafrechtliche Verschärfungen. Das ist Politaktionismus, der Betriebsamkeit vortäuschen soll, aber nichts bringt. Darabos hätte vielmehr schon jahrelang als Funktionär von Rapid (Mitglied des Kuratoriums) aktiv werden können. Rapid hat seinen Fan-Mythos überkultiviert. Da wurde vermittelt, dass Rapid und seine Fans alles sind. Da darf man sich nicht wundern, wenn manche, die glauben nur für Rapid leben zu müssen, sich dann auch im Recht sehen, wenn sie ein Spiel zum Abbruch bringen, weil die Leistung der Spieler nicht stimmt. Fußball ist ein Spiel und nicht Religion oder Ideologie. Das hätte man seinen Fans vermitteln müssen.

Probleme mit ihren Fans haben aber auch andere Vereine. Der Fußballplatz ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Bei fehlenden Perspektiven wird er zur Projektionsfläche. Aber 98 % der Fankultur haben nichts mit Gewalt zu tun. Pauschalierungen gegen den gesamten „Westsektor“ von Rapid als Hooligan-Ghetto ärgern selbst mich als überzeugten Violetten. Klassischer Fan-Support darf nicht auf diese Weise kriminalisiert werden. Wenn jetzt gefordert wird, dass Eintrittspreise erhöht werden sollen, damit sich das Publikum ändert, greift das zu kurz. Niedrigverdiener sind nicht gleich Rowdies. Fußball darf nicht exklusiv werden. Das ist kein sportpolitisches Konzept und löst auch keine Probleme. Gezielte Stadionverbote machen Sinn und da muss man auch die zögerlichen Klubs mit allen Konsequenzen in die Pflicht nehmen. Der Ausschluss einer „ganzen Klasse“ nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nimmt dem Fußball aber seine gesellschaftsübergreifende Funktion.

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