„Oberösterreichische Nachrichten“ vom 13.07.2009         Seite: LST26

Ressort: Land&Leute

Mahnmal für Menschen, die vor 75 Jahren ins Schussfeld geraten sind

SPITAL/Pyhrn. vor 75 Jahre waren eine Wirtin, deren Sohn, ein Kalkbrenner und ein Handwerksbursche bei einem Kalkofen in den Kugelhagel zwischen Nazis und Bundesheer geraten. Ein Mahnmal erinnert an die Toten des Juliputsches.

Von Hannes Fehringer

Ein Stoßtrupp der Nazis stürmte am 25. Juli 1934 das Bundeskanzleramt und streckte den Bundeskanzler des autoritären Ständestaates Engelbert Dollfuß nieder. Die Aufständischen ließen keinen Arzt zu dem Schwerverletzten, der hilflos auf einem Sofa verblutete. Das Attentat war das Kommando zu einem Staatsstreich. Der Rundfunksender RAVAG wurde besetzt, in mehren Orten Österreichs brachen Gefechte los – auch am Pyhrn, wo 424 Alpenjäger des Bundesheeres die Braunhemden stellten.

Die Nazis waren auf dem Weg zur vermeintlichen Machtergreifung von Liezen bis auf die Passhöhe vorgedrungen, als es bei einem Kalkofen am 26. Juli zu einem fatalen Scharmützel kam. Scharfschützen der Nazis hatten sich hinter Felsen und Bäumen versteckt und ein Sperrfeuer eröffnet. Neben dem Bundesheermajor Johann Charwat und dem Alpenjäger Josef Hager wurden bei dem Schusswechsel auch Zivilisten getötet: Die Kalkofenwirtin Dorothea Zeiringer, deren Sohn Willibald, der Kalkbrenner Alois Hackl und der Handwerksbursche Johann Permadinger starben im Kugelhagel. Ernst Dreher fiel auf der Seite der „Aufständischen“.

Die Namen hat nun eine fünfte Klasse des Stainacher Gymnasiums ins Gedächtnis gerufen. Die Jugendlichen schraubten mit dem Bildhauer Max Egger inmitten eines Stacheldrahtverhaus Gedenktafeln an Lärchenstämme. Bei der Enthüllung riefen die Bürgermeister von Spital/Pyhrn und Liezen, Ägidius Exenberger und Rudolf Hakel, den Leitsatz „Nie wieder!“ in Erinnerung. Berührender Moment: Nachfahren der Todesopfer enthüllten die Schrifttafeln.

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