Unsere Vorschläge zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandal in der Kirche sind auf große Zustimmung gestoßen. Viele fragen aber auch, wie wir gerade auf eine Dotierung des Opferfonds mit 100 Millionen für die Betroffenen von Missbrauch und Gewalt in kirchlichen Einrichtungen kommen.

Dabei stellt sich zuerst eine grundsätzliche Frage: sollen Opfer angemessen und unabhängig von Verjährung entschädigt werden? Wer das verneint, braucht weniger – wer aber der Ansicht ist, dass die Kirche alle Opfer ihrem Leid, das sie meist ihr Leben lang begleitet, angemessen entschädigen sollte, muss folgende Rechnung anstellen: Bereits jetzt sind rund 1000 Fälle von sexuellem Missbrauch und Gewalt unterschiedlichsten Stellen gemeldet worden. Alleine die Kosten für Psychotherapie machen durchschnittlich, so Experten, rund 10 000 Euro pro Person aus. In schwereren Fällen können diese Kosten noch deutlich höher ausfallen. Das alleine ergibt schon einen Betrag von 10 Millionen Euro. Dazu käme noch die Abgeltung von anderen Schäden, wie körperliche und seelischer Schmerzen, sowie allenfalls Verdienstentgang. Die Dunkelziffer an Opfern ist aber weit höher. Wer das nicht glaubt, sollte beispielsweise den Blog der Betroffenen des Internats Kremsmünster lesen, dann kann erahnt werden, wie es in vielen Einrichtungen zugegangen ist.

Geht man von einem durchschnittlichen Entschädigungsbetrag von 40 000 Euro aus, würden 100 Millionen Euro in etwa 2 500 Opfer entschädigen. Will man auch Betroffene massiver erzieherischer Gewalt entschädigen, ist die Zahl von 2 500 Betroffenen ohnedies sehr konservativ geschätzt. Von „amerikanischen Verhältnissen“ sind wir da weit weg – in der Diözese Los Angeles wurden 2007 durchschnittlich 1,3 Millionen Dollar an Entschädigung pro Opfer bezahlt. Übrigens  in Irland vereinbarte die Regierung (!) mit der katholischen Kirche bzw. deren Orden 2009 einen Opferfond in der Höhe von 2,1 Milliarden Euro (!).

siehe auch: Missbrauch – Konsequenzen und Verantwortung

Ein Kommentar bis jetzt.

  1. klobe sagt:

    warum braucht es die presse und gute journalisten, dass opfer akteneinsicht, anerkennung bei der justiz, und anstelle von zugesprochener hilfe erhalten opfer schriftlich unbedeutendes von der klassnic kommission, bzw. opferschutz und oder pressesprecher deropferkommission!!!

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