Schon im Frühjahr haben es zwei Student/innen der Politik vorgemacht. Sie haben online den Protest gegen den 3. Nationalratspräsidenten Graf organisiert. Auch die aktuellen Uniproteste werden bekanntlich über das Web organisiert. Beide Beispiele zeigen, dass der virtuelle Protest auch real auf die Straße und in den Hörsaal gebracht wird. Ich gebe gerne zu, dass mich das als Politiker beeindruckt.

Bei diesen Mobilisierungserfolgen müssen sich die bestehenden Parteien zu Recht die Frage gefallen lassen, ob ihre Zeit abgelaufen ist. Die Antwort ist einfach: die traditionellen Parteien haben dann ausgedient, wenn sie weiter traditionell kommunizieren. Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Politik spät aber doch auf die nicht ganz neue Situation einstellen wird. Auch die Umstellung auf  das Fernsehzeitalter haben die Parteien nach Anlaufschwierigkeiten bewältigt. Die Legende besagt, dass der ORF deswegen lange als „rot“ gegolten hat, weil die ÖVP auf das Radio gesetzt hat. Damals sollen die Schwarzen der Meinung gewesen sein, dass es nie so weit kommen wird, dass alle Österreicher/innen einen Fernseher im Wohnzimmer haben werden, weswegen das Radio politisch wichtiger wäre.

Die traditionellen Parteien wird es auch deshalb weitergeben, weil die Werte, die sie vertreten nicht verschwinden werden. Haltungen wie konservativ, nationalistisch, sozial und ökologisch bzw. links oder rechts wird es weiter geben. Auch oder gerade das Netz ist keine ideologiefreie Zone. Die traditionellen Parteien werden aber Konkurrenz bekommen. Das Web erleichtert es neuen Bewegungen und Parteien sich zu organisieren und zu mobilisieren. Früher war es eine kommunikative Ochsentour neue Bewegungen und ihre Ideen breit zu bewerben. Alleine der Gründungsprozess der Grünen hat sich über Jahre gezogen. Das ist jetzt anders. One-issue Bewegungen werden sich künftig schnell organisieren und können es dann durchaus in die Parlamente schaffen. Bei der Bewältigung des realen parlamentarischen Alltags werden sie dann aber wieder an den traditionellen Parteien gemessen werden.

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