Eigentlich müssten jetzt die Ursachen der Wirtschaftskrise aufgearbeitet werden. Aber im Moment gilt „business as usual“, wie wenn nichts gewesen wäre.  Eine neue Finanzarchitektur? Kein Thema. Was bleibt ist die Debatte über die Manager-Boni.

Dabei gäbe es viel zu diskutieren. Zum Beispiel, ob die Zunahme der Einkommens- und Vermögensunterschiede die Krise ausgelöst hat. Fakt ist, dass die Einkommensungleichheit in vielen Industrieländern in den letzten Jahren zugenommen hat. Die Finanzinstitute mussten daher Finanzprodukte suchen und kreieren, um das Geld der Reichen anzulegen. Das hat zur Vergabe der oft zitierten „faulen Kredite“ und damit zusammenhängenden Finanzprodukten geführt.

Solange es eine deutliche Ungleichverteilung der Einkommen gibt, wird das zu einem Überangebot an Finanzmitteln führen, was wiederum in der Erfindung hochriskanter Anlageprodukte mit einem Riesenpotential zum wirtschaftlichen Supergau mündet. Mit dieser These, die derzeit unter Ökonom/innen heftig diskutiert wird, gibt es neben Gerechtigkeitsüberlegungen, handfeste ökonomische Argumente für Vermögenssteuern. Wer die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen will, sollte darüber diskutieren.

8 Kommentare bis jetzt.

  1. Besorgter Bürger sagt:

    Für Krisenopfer und NS-Deserteure ist doch kein Geld und Platz!
    Der ÖVP-Bauernbund braucht den gesamten Heldenplatz für sein Erntedankfest!
    http://wien.orf.at/stories/389155

  2. Andreas sagt:

    Ich denke nicht, dass diese Finanzprodukte nur durch Einkommensunterschiede entstanden sind. Auch viele Unternehmen legen ihr Geld in solchen Finanzprodukten an.

    Hier ein anderer, sehr interessanter Vorschlag: Eine Prämienzahlung von Banken für die Defacto-Garantie des Staates. (Vorgeschlagen vom Ökonomen Paul de Grauwe)

    http://geistreich-media.com/blog/politik/praemienzahlung-von-banken-fuer-defacto-garantie-des-staates/

  3. asteinhauser sagt:

    hallo!
    natürlich kann die wirtschaftskrise nicht mit einer einzigen entwicklung erklärt werden. es waren wohl viele faktoren. aber auch die tatsache, dass unternehmen ihr geld in diese riskante finanzprodukte investiert haben ist kein widerspruch zu meiner these. erstens erklärt das, warum die finanzkrise sehr schnell die realwirtschaft erreicht hat. zweitens zeigt das, dass die unternehmen ihr geld nicht in realinvestitionen, sondern in finanzprodukte gesteckt haben. warum? weil eine schleichende umverteilung in den unternehmen weg von den löhnen stattgefunden hat. dieses enorme volumen an zusätzlichem kapital wurde als rendite ausgeschüttet oder spekulativ angelegt.
    den vorschlag mit der prämienzahlung muss man sich näher anschauen, klingt jedenfalls interessant.
    lg
    albert steinhauser

  4. Chrom sagt:

    Verstehe ich das richtig? Die Reallöhne wurden gesenkt und daraus lukrierte Mittel in unsichere Finanzprodukte von Betrügern wie Madoff&Co. angelegt. Gewinne und Boni zogen die Finanzmanager und Unternehmer ein, und die Verluste durch faule Deals soll nun wieder die Allgemeinheit bezahlen?

    Nationalbank-Gouverneuer Ewald Nowotny sprach es in der ZIB 2 jedenfalls so aus:“Von hohen Boni geht ein negativer Anreiz aus. Es ist sicherlich so, dass im Bereich der Investmentbanken das bisherige Entlohnungssystem dazu geführt hat, dass Manager bereit waren zu hohe Risken einzugehen, weil wenn es gut geht, haben sie den Bonus kassiert, wenn es schlecht geht, haben andere bezahlt.“ !!!!!!!
    Diese, von Reichen verursachte Finanzkrise, kostet die Weltwirtschaft bereits 7 Billionen Euro- das sind 1.000 Euro für jeden Erdenbürger. Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind.

    „Finanzminister aus 7 EU-Ländern fordern nun strikte Regeln für die Bonus-Vergabe an Banker. In der Initiative der Ressortchefs aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Luxemburg und den Niederlanden heißt es: Destruktives Verhalten einiger Finanzakteure sei nicht nur gefährlich, sondern „unanständig, zynisch und inakzeptabel“, „es ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die plötzlich arbeitslos werden.“ Jetzt müssen die sieben Finanzminister noch ihre Kollegen beim G-20 Gipfel Ende September überzeugen.“
    http://tv.orf.at/program/orf2/20090904/456973201/275942/
    Hoffentlich überzeugen sie auch unseren Finanzminister!

    Die Allgemeinheit darf man keinesfalls weiter abzocken! Die ist nach dieser neuen Studie der österreichischen Nationalbank ohnehin schon ziemlich blank: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090126_OTS0067
    Über zwei Drittel besitzen demnach keine nennenswerten Geldvermögen. Die Hälfte der privaten Haushalte verfügt gar nur über 8% des gesamten Geldvermögens.
    Dafür besitzt 1 Prozent Superreicher ein Drittel des gesamten Vermögens und 10 Prozent Reiche ein weiteres Drittel.
    Die reichsten 11% besitzen zudem 80% aller Immobilien und sie bezahlen dafür sehr wenig Vermögenssteuern. Genauer gesagt nur 0,6% des BIP, der EU15-Schitt liegt bei 2,1%.
    Lohnsteuer, Einkommenssteuern, Sozialversicherung und Lohnsummensteuern stiegen in Österreich dafür von 1990 bis 2005 von 23,7% auf 26,4%, im EU-Schnitt fielen sie etwas auf 21,7%.
    Das Budgetdefitit kann nur gewachsen sein, weil seit Abschaffung der Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer die Einnahmen fehlten.
    Bei Steuergerechtigkeit sind wir also bereits OECD-Schlusslicht!

    Banken, die keine Steuern bezahlen, werden über das 100 Mrd-Paket gerettet. Wenn sie heuer keine Gewinne schreiben, müssen sie den Steuerzahlern nichts mehr retournieren, hieß es nun.
    Das gewaltige Defizit und die stark steigenden Gesundheitskosten könnte man nun durch Massensteuern ausgleichen, indem man z.B. Mehrwertsteuer, Umsatzsteuer und Sollzinsen etc. noch weiter erhöht oder die untersten Einkommen besteuert, wie es manche „Christlich-Soziale“ gerne hätten. Wie soll das gehen? Die unterbezahlte, arbeitende, krisengebeutelte und arbeitslose Bevölkerung bezahlt dann bei hohen Lohnsteuern, Massensteuern, Konsumsteuern und Teuerungen bei Energie und Mieten (von 2001 Mietpreiserhöhung um 27%) die Gier der Reichsten mehrfach, während die Profiteure des Neoliberalismus weiterhin verschont werden. So stelle ich mir das vor.

    Alle Parteien, außer den Grünen wollen nur ausgabenseitige Sanierungen und Strukturreformen bei Schule, Gesundheit, Pensionen und Verwaltung. Wenn durch Reformen Mittel frei werden, müssen die aber auch wieder für Bildung und Gesundheit zur Verfügung stehen. Das ist aber nicht garantiert. Sozialexperten warnen: Während Banken von uns zinsenfreie Milliardenkredite bekommen, zahlen die Krankenkassen Millionen an Zinsen für Bankkredite, mit denen sie ihre Verluste finanziert haben!

    Wir können und wollen unser Leben und das unserer Kinder aber nicht Bankmanagern opfern! Die meisten Leute mit geringem Einkommen und Arbeitslose wären durch Massensteuern od. Besteuerung unterster Einkommen erledigt.
    Der Konsum käme zum Erliegen. Alles käme zum Erliegen. Man weiß aus der Geschichte was diese Gefahr bedeutet.

  5. dieter sagt:

    Ohne Zahlen und Fakten ist das eine nette Hypothese, neben tausend anderen.

    Die fraglichen Papiere galten nicht als spekulativ, sondern als sicher und somit niedrig verzinst. Sie galten als Alternative zu kurzfristigen Staatsanleihen und wurden dazu genutzt, um kurzfristige Kassenbestände anzulegen. Etwa 2% der fraglichen Papiere gehörten gehörten zeitweise bekanntlich der österreichischen Bundesfinanzagentur. Pensionskassen, Banken, Institutionen hielten diese Papiere.

    Reiche und Wohlhabende legen ihr Geld eher mittel- bis langfristig in Anleihen und Aktien an.

    Ein Großteil des Kapitalflusses in die USA kommt aus Asien, wo es tw. mangels Pensionsversicherung und Krankenversicherung enorme Sparquoten in der breiten Bevölkerung gibt. (bis zu 40%)

    Dass die Einkommensungleichheit zugenommen hat ist in den USA und GB Fakt, aber nicht unbedingt in Kontinentaleuropa. Und ein großer Teil der angelsächsichen Spitzenverdiener waren Investmentbanker, Broker usw. Die Zuwachs bei den höchsten Einkommen, dürfte also eher ein Resualtat und nicht die Ursache für die Krise gewesen sein.

  6. Chrom sagt:

    Hallo Dieter!

    Sie schreiben: „Dass die Einkommensungleichheit zugenommen hat ist in den USA und GB Fakt, aber nicht unbedingt in Kontinentaleuropa.“

    Österreich ist anders als Europa. Unsere Reichen sind noch gieriger und geiziger und zeigen noch weniger Steuermoral.

    Wollen Sie hier mit irgendwelchen unbelegten Zahlen der Nationalbank widersprechen? Was berechtigt Sie dazu? Reichtum, ÖVP-Mitgliedschaft und Ignoranz alleine wäre zu wenig.
    Finden Sie denn in Ordnung wenn Unschuldige und Arme für die Gier und das Versagen der Reichsten bezahlen müssen? (Frage bitte beantworten)
    Die Armen hatten nichts zum Verspekulieren!

    „Der Gini-Koeffizient zur Ungleichheit der Geldvermögensverteilung in Österreich beträgt 0,66 und liegt damit im internationalen Vergleich eher hoch“, so die Nationalbank im aktuell präsentierten Sozialbericht: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090126_OTS0067

    Sie können aber auch die Armuts- und Reichtumsberichte der ÖGPP studieren, die das Selbe sagen: http://www.politikberatung.or.at/typo3/index.php?id=92

    Oder den Sozialbericht 08 des Sozialministers: http://www.bmask.gv.at/cms/site/attachments/4/5/5/CH0107/CMS1232705650368/sozialbericht_mitcover.pdf
    (Verteilung ab Seite 176)
    Einige Zitate: „Die OeNBBefragungsergebnisse weisen, wie international vergleichbare Befragungen auch, einen Mittelschichtsbias auf; Besitzer hoher Vermögen konnten nur eingeschränkt erfasst werden. Die höhere Teilnahme- und Antwortverweigerung wohlhabender Haushalte schlägt sich in einer Untererfassung der Vermögenden nieder. Die tatsächliche Ungleichverteilung ist demnach größer als die mittels gewichteter Zufallsstichprobe gemessene Ungleichverteilung.

    Der durchschnittliche österreichische Haushalt verfügte 2004 über ein Geldvermögen von rund 55.000 EUR. Die Mitte der Vermögensverteilung, der Median, lag aber nur bei 24.000 EUR. Aus der Differenz zwischen diesen beiden Werten ist erkennbar, dass sich in der oberen Hälfte der Verteilung eine Reihe von Haushalten mit sehr hohem Vermögen befindet.

    Betrachtet man die Abbildung der Pen´s-Parade, so ergibt sich der Gesamteindruck einer starken Ungleichverteilung der Geldvermögen privater Haushalte mit relativ vielen kleinen Vermögen und wenigen sehr hohen Vermögen. Erkennbar ist vor allem auch, dass von einer Mittelschicht beim Geldvermögen nur schwer gesprochen werden kann. Bei Geldvermögen besteht eine enorme Konzentration. Gemäß der Zeitschrift Trend gibt es auch in Österreich 25 Milliardäre.

    Aktienbesitz ist im internationalen Vergleich in Österreich nur relativ wenig verbreitet und auf vermögende und einkommensreiche Haushalte konzentriert. Im vermögendsten Zehntel partizipieren über 81% am Kapitalmarkt. Im untersten Dezil sind es nur 2%. Menschen mit niedrigem Geldvermögen sind hinsichtlich Einkommen, Arbeitsplatz und Gesundheit höheren Risiken ausgesetzt.
    Bei den Beamten ist es ein relativ hohes Einkommen plus Einkommens- und Pensionssicherheit, die ein überdurchschnittliches Aktienengagement ermöglichen. Hingegen ist es bei Arbeitern ein unterdurchschnittliches Einkommen plus Einkommensunsicherheit, die zu einer niedrigen Kapitalmarktpartizipation führen.

    Bei der Geldvermögensausstattung der privaten Haushalte zeigt sich eine Polarisierung. Eine große Mehrheit (74%) hat nur eine unterdurchschnittliche Geldvermögensausstattung und nur
    eine Minderheit (26%) verfügt über ein überdurchschnittliches Geldvermögen. Das gesellschaftliche Bild einer solchen Vermögensverteilung ist das einer Pyramide.“
    Die ÖVP hatte auch 26%, und nur für die macht auch die SPÖ unsere Steuergesetze! Die anderen 74% finden das überhaupt nicht toll.
    Nach einer Gallup-Umfrage sprachen sich auch 74% Österreicher aller Parteien FÜR Vermögenssteuern ab 500.000 Euro aus!
    20% der Befragten waren dagegen, 6% machten keine Angabe. Befürworter waren Wähler von:
    BZÖ 94%
    Grünen 90%
    SPÖ 87%
    FPÖ 71%
    ÖVP 59%
    Die Österreicher sind zwar nicht reich, aber auch nicht so dumm wie man sie hinstellt!

    Ein GPA-Modell – Vermögensbezogene Steuern von Vermögen ab 500.000 Euro könnte pro Jahr 4 bis 5 Milliarden Euro zusätzlich für das Budget bringen! http://tinyurl.com/d6v2je

    In manchen Bundesländern bekommt nur jeder 43. Armutsbetroffene eine Sozialhilfe-Leistung: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090828_OTS0023

    Naja, vielleicht sind diese Ärmsten so nobel und übernehmen das Spekulantenproblem der Superreichen und Bankmanager auch noch. Das könnte allerdings bei Massensteuern mit Verhungern, Erfrieren und Obdachlosigkeit enden.
    Wer will das? Der soll sich hier bitte melden und dazu stehen. Als künftige Kandidatin und alleinstehende Alleinerzieherin mit kranken Angehörigen diskutiere ich auch gern darüber wie sich das anfühlt.

  7. Max sagt:

    Robert Misik versteht uns auch: Gierbanker und Abzocker – eine „Neiddebatte“? http://derstandard.at/?url=/plink/1252680454917/14080085

  8. asteinhauser sagt:

    Natürlich ist diese These nur eine von vielen. Es stimmt auch, dass Pensionsfonds enorme Geldmengen angelegt haben. Andererseits wurde durch die steigende Ungleichverteilung dieses Volumen noch einmal erhöht. Die zunehmende Ungleichverteilung dokumentiert sich auch in Österreich tendenziell in der sinkenden Lohnquote am Volkseinkommen gegenüber dem Ansteigen der Kapitaleinkünfte. Kapital haben logischer Weise die Vermögenden.
    mfg
    albert steinhauser

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