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Ein Bildungsvolksbegehren?

Gestern hat sich im Parlament der „Bildungsexperte“ des BZÖ Stefan Petzner (Diplomarbeitsthema „Die Macht der Musik am Beispiel Udo Jürgens“) zu Wort gemeldet. Sein Beitrag zum Thema Bildung soll nicht vorenthalten werden: „Wir nehmen nach der heutigen Diskussion zur Kenntnis, dass sich (…) die Grünen einmal mehr auf die Seite der linken Anarchisten, der linken Chaoten, des linken Mobs begeben haben, die das Audimax besetzen (…) noch einmal: Audimax räumen und (…) nötigenfalls mit einem Kärcher ins Audimax hineinfahren.“

Petzner ist zwar nur eine kleine Fußnote der bildungspolitischen Debatte, aber kein Einzelfall. Manche kleiden ihre Ignoranz nur in schönere Worte. SPÖ Klubchef Cap will Anträgen auf mehr Geld für die Unis nicht zustimmen, weil es schon Beschlüsse gäbe. Schönheitsfehler an dieser Argumentation ist, dass diese Beschlüsse von rot und schwarz ignoriert werden.

Klar ist nach dieser Sitzung, dass rot, schwarz, blau und orange Österreich nicht aus dem Bildungschaos herausführen werden. Es braucht dringend den Druck von außen. An den Unis wird laut über ein Bildungsvolksbegehren nachgedacht. Der Politik kann nur mehr so geholfen werden. Sonst wird Hahn nach Brüssel flüchten und eine Nachfolger/in von der ÖVP mit gewohnter Inkompetenz die Bildungsagenden weiter herunterwirtschaften. Die Schüler/innen und Studierenden müssen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Es muss einen Aufschrei geben, wenn Geld für die Bankenrettung da ist, in einem der reichsten Ländern der Welt die Zukunftschancen der Jungen aber in den Konkurs geführt werden. Ein Bildungsvolksbegehren? Her damit!

Bildungsmisere: Schulwartin unterrichtet!

Die Unzufriedenheit mit unserem Bildungssystem ist groß. Kein Geld – zu wenig Lehrer/innen und es gibt nichts, was es nicht gibt.

Aus einer niederösterreichischen  Gemeinde wurde mir eine kuriose, aber wahre Begebenheit geschildert. In der Mehrstufenklasse einer Volksschule mit einem Integrationskind und 20 Schüler/innen musste die zweite Lehrerin in vorzeitigen Mutterschutz gehen. Den Eltern wurde folgende Lösung präsentiert: sechs Unterrichtsstunden soll die Schulwartin übernehmen. Eine andere Lösung ist nicht möglich. Erstens sei kein weiterer Planposten vorgesehen, aber vorallem würde man keine geeignete freie Lehrerin finden. Unglaublich. Die Eltern hielten das zuerst für einen Scherz. Aber, die Schulwartin unterrichtet jetzt tatsächlich.

Die Schulbehörde teilte den Eltern mit, dass es eigentlich unter den vorliegenden Bedingungen gar keinen Rechtsanspruch auf eine zweite Lehrerin geben würde. Diese Zustände sind unerträglich. Dabei hatten in diesem Fall die Kinder noch Glück im Unglück. Die Schulwartin ist engagiert und kann mit Kindern umgehen. Die Eltern werden sich noch daran gewöhnen müssen, wenn ihre lieben Kleinen auf die Frage wie es denn in der Schule war, erzählen “heute war wieder die Putzfrau da”.

Proteste auf den Unis: Macht weiter

Die Student/innen haben die Uni Wien besetzt. Es reicht ihnen. Das kann ich gut verstehen. Macht weiter so. Während die Zustände auf den Unis jetzt schon unhaltbar sind, faselt ÖVP Obmann Pröll im Parlament vom ausgabenseitigen Sparen. “Guten Morgen, Herr Minister. Haben sie gut geschlafen”, kann man da nur fragen. Es gibt jetzt schon zu wenig Geld für Bildung.

Was wir brauchen ist eine “Bildungssteuer”. Viele haben vom freien Bildungszugang seit den 1970er-Jahren profitiert. Sie verdienen heute gut. Warum kann man von den Besserverdienenden nicht verlangen, dass sie über Steuern auch zukünftigen Generationen Bildungschancen eröffnen. Das würde auch zur Verteilungsgerechtigkeit beitragen.

Ein glatter Unsinn, sind neue Zugangshürden. In Österreich ist die Akademiker/innenqote bekanntlich nicht sehr hoch. Wir müssen uns daher über jede/n  Student/in freuen. Ein Problem bleiben die Bildungsflüchtlinge aus Deutschland. So wichtig es ist, dass innerhalb der EU der Bildungsaustausch funktioniert, ist es nicht leistbar, dass Deutschland auf Kosten von Österreich seinen Uni-Zugang restriktiv hält. Das muss die EU berücksichtigen, wenn sie nicht will, dass der Frust über “Brüssel” weiter zunimmt. Eine Lösung auf europäischer Ebene ist dringend notwendig.

Betragensnote für protestierende SchülerInnen?

Wochenlang hat die Lehrergewerkschaft mit der Bildungsministerin gerungen. Sogenannte Dienststellensitzungen (Versammlungen mit Warnstreik-Charakter) hat es gegeben. Gestern hätten die LehrerInnen einen Protsttag abgehalten, wäre es am Montag nicht zur Einigung gekommen. Eine Einigung auf dem Rücken der SchülerInnen, die künftig auf freie Tage verzichten müssen und jetzt zu Recht protestieren.

Was machen die LehrerInnen? Manche SchuldirektorInnen haben nichts besseres zu tun als unverschämt  zu drohen. “SchülerInnen, die heute demonstrieren bleiben unentschuldigt dem Unterricht fern und müssen mit einer Betragensnoten rechnen”, heißt es mancher Orts in den Schuldirektionen. Frecher geht es nicht mehr.

Zuerst wird die Solidarität der SchülerInnen mit den LehrerInnen gerne gesehen, dann die SchülerInnen den eigenen standespolitischen Interessen geopfert und jetzt noch das Rohrstaberl geschwungen. Hinter dieser Vorgangsweise stehen sicher nicht alle LehrerInnen. Was man sich selbst herausnimmt, sollte man auch anderen zugestehen.

Hätte die Lerhergewerkschat Mut und Anstand, würde sei gegenüber der Bildungsministerin einen Betragensnotenboykott ausrufen und die SchülerInnen zumindest heute in ihrem Protest unterstützen.

Die SchülerInnen haben diesen Drohungen ohnedies die lange Nase gezeigt. 60 000 haben österreichweit demonstriert. Gratulation!