Jugendstudie “gegen Arme und Zuwanderung”: Werte fallen nicht vom Himmel
In diesen Tagen ist eine Jugendstudie erschienen. “Wie denken und leben 16- bis 19-Jährige?”, wurde gefragt. Das Ergebnis ist grundsätzlich wenig erfreulich. So heißt es “wer arm ist, ist selber Schuld – mit Ungerechtigkeiten hätte das weniger zu tun oder wer arm ist, ist faul”. Man könnte jetzt schockiert und überrascht sein – bin ich aber nicht. Neoliberale Haltungen haben halt auch bei Jugendlichen Einzug gehalten haben. Wenn seit Jahren Vermögen, Leistung und Wettbewerb zu den bestimmenden Werten erklärt werden, darf sich niemand wundern, wenn egoistisches Konkurrenzdenken und die Stigmatisierung von Armut die Folge ist. Auch 25 Jahre institutionalisierte Ausländerfeindlichkeit durch die FPÖ zeigen ihre Wirkung. 40 % der Jugendlichen meinen, dass zu viele Türken in Österreich leben. Fast jeder fünfte findet, dass Juden zu viel Einfluss haben.
Ein Herumsudern über “die Jugend” kann man sich aber sparen, sämtliche Wertestudien zeigen ähnliche Ergebnisse bei Erwachsenen. Nüchtern betrachtet begründen diese und ähnlicher Studien aber die Wachstumsprobleme der Grünen. Wenig Interesse an Politik, gekoppelt mit einer tendenziell reaktionären Wertehaltung sind kein Rückenwind für grüne Wahlerfolge. Darüber braucht aber nicht gejammert zu werden. Werte fallen nicht vom Himmel, sondern bilden sich in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen heraus. Oft wird geglaubt, dass Wahlen über kurzfristige tagespolitische Ereignisse beeinflusst werden. Manchmal stimmt das auch. In der Regel sind es aber gesellschaftspolitische Wertehaltungen, die bei politikfernen WählerInnen entscheiden. Die erreichen aber derzeit Grüne und Linke in der Auseinandersetzung nicht.







