15.12.11 | 2 Kommentare

Jugendstudie “gegen Arme und Zuwanderung”: Werte fallen nicht vom Himmel

In diesen Tagen ist eine Jugendstudie erschienen. “Wie denken und leben 16- bis 19-Jährige?”, wurde gefragt. Das Ergebnis ist grundsätzlich wenig erfreulich. So heißt es “wer arm ist, ist selber Schuld – mit Ungerechtigkeiten hätte das weniger zu tun oder wer arm ist, ist faul”. Man könnte jetzt schockiert und überrascht sein – bin ich aber nicht. Neoliberale Haltungen haben halt auch bei Jugendlichen Einzug gehalten haben. Wenn seit Jahren Vermögen, Leistung und Wettbewerb zu den bestimmenden Werten erklärt werden, darf sich niemand wundern, wenn egoistisches Konkurrenzdenken und die Stigmatisierung von Armut die Folge ist. Auch 25 Jahre institutionalisierte Ausländerfeindlichkeit durch die FPÖ zeigen ihre Wirkung. 40 % der Jugendlichen meinen, dass zu viele Türken in Österreich leben. Fast jeder fünfte findet, dass Juden zu viel Einfluss haben.

Ein Herumsudern über “die Jugend” kann man sich aber sparen, sämtliche Wertestudien zeigen ähnliche Ergebnisse bei Erwachsenen. Nüchtern betrachtet begründen diese und ähnlicher Studien aber die Wachstumsprobleme der Grünen. Wenig Interesse an Politik, gekoppelt mit einer tendenziell reaktionären Wertehaltung sind kein Rückenwind für grüne Wahlerfolge. Darüber braucht aber nicht gejammert zu werden. Werte fallen nicht vom Himmel, sondern bilden sich in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen heraus. Oft wird geglaubt, dass Wahlen über kurzfristige tagespolitische Ereignisse beeinflusst werden. Manchmal stimmt das auch. In der Regel sind es aber gesellschaftspolitische Wertehaltungen, die bei politikfernen WählerInnen entscheiden. Die erreichen aber derzeit Grüne und Linke in der Auseinandersetzung nicht.

14.12.11 | 1 Kommentar

EU-Gipfel im Rückblick

Heute wird im Parlament der EU-Gipfel vom letzten Freitag diskutiert. Während Faymann versucht durch aufgesetzte staatsmännische Krisenrhetorik zu punkten, liefert Außenminister Spindelegger kleinkrämerische Weisheiten: “Jeder wüßte aus eigener Erfahrung, dass man nicht nicht mehr ausgeben könne, als man habe und bei Staaten sei das auch nicht anders. ..” Unsere Klubobfrau Glawischnig hat die einseitige Konzentration auf die Staatsverschuldung als Mittel zur Krisenbewältigung kritisiert.

Aus meiner Sicht hat der Gipfel bestehende Fehlentwicklungen verschärft. Beim Europäischen Rettungsschirm (ESM) soll es keine verpflichtende Gläubigerbeteiligung (Banken) geben. Eine notwendige demokratische Kontrolle ist ebenfalls nicht vorgesehen.

Mit der verpflichtenden Schuldenbremse werden ideologisch motivierte Überlegungen verrechtlicht statt die Krise bewältigt. Hauptproblem de Eurozone sind wirtschaftliche Ungleichheiten. Starke Staaten der Eurozone, wie Deutschland saugen mit ihrem gigantischen Handelsbilanzüberschuss schwächere Staaten (Südeuropa) wirtschaftspolitisch aus. Das verstärkt in diesen Ländern die Flucht in die Staatsschulden, was wiederum die Zinsen unter aktiver Beteiligung der SpekulantInnen in die Höhe treibt. Die logische Konsequenz, einen Ausgleich über einheitliche europäische Schuldscheine (Eurobonds) und damit gleiche Zinsen für alle wurde am Gipfel aber verweigert. Schließlich wollen Merkel und Sarkozy nicht europäische Probleme lösen, sondern ihre Vorteile verteidigen.

Selbst Rating-Agenturen, wie Fitch sind nicht besänftigt. Dort wird analysiert, dass dem EU Raum ein Rezession droht. Rezission bedeutet mehr Ausgaben (Arbeitslose) und weniger Einnahmen (Steuerausfall). Selbst ein Greislerökonom, wie Spndelegger müsste dann erkennen, dass das in eine Abwärtsspiralle zu mehr Schulden oder weiteren Sparpaketen führt.

Aber auch demokratiepolitisch wird jetzt wirtschaftspolititisch mit einer Art “Ausnahmerecht” regiert. Der Sondervertrag außerhalb des EU-Rechts ist nicht an das europäische Parlament angekoppelt. Die nationalen Parlamente sollen das vollziehen, was die Regierungen in Brüssel ausverhandelt haben.

Wer proeuropäisch denkt, muss jetzt um ein demokratisches Europa kämpfen. Wer proeuropäisch denkt, muss Fehlentwicklungen benennen.

09.12.11 | 1 Kommentar

Extremismus-Speicherung von Ex ÖH-Chefin: Vefassungsschutz gibt Fehler zu

Die Vorgeschichte kurz zusammengefasst: Die ehemalige ÖH-Chefin Sigrid Maurer und andere AktivistInnen wurden vom Verfassungsschutz wegen einer Protestaktion auf der Parlamentsgalerie in der Extremismusdatei gespeichert. Schnell war klar, dass diese Speicherung nicht nur politisch skandalös, sondern auch rechtlich nicht gedeckt war. In einer parlamentarischen Anfrage haben wir die Vorgangsweise des Verfassungsschutzes durchleuchtet.

In der  Beantwortung muss die Innenministerin jetzt die Fehler des Verfassungsschutzes zugeben. Es wird ausgeführt, dass der Verfassungsschutz  wegen einer angeblichen Verletzung eines Parlamentsbediensteten die Daten verarbeitet hätte und dann gesetzlich falsch in der Extremismusdatei weiter gespeichert hätte. Aber selbst dieses Schuldeingeständnis beschönigt in einer unhaltbaren Weise den Datenskandal. Selbst in der Beantwortung wird nicht von strafrechtlichen Verfehlungen ausgegangen, wird doch ausgeführt, dass es nur verwaltungsstrafrechtliche  Konsequenzen (wegen der Störung der Parlamentssitzung) gegeben hätte. Dazu kommt, dass auch die Speicherung nie in Zusammenhang mit einem möglichen strafrechtlichen Vorfall geführt wurde – der wurde nämlich nicht erwähnt – sondern wegen “Abwehr einer kriminellen Verbindung” in Zusammenhang mit einer Störaktion im Parlament.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Speicherung weniger ein Irrtum war, sondern vielmehr die bildungspolitischen Proteste im Rahmen der Extremismusbeobachtung rechtswidrig dokumentiert werden sollten. Bleibt zu befürchten, dass diese rechtswidrige Handhabung der Bestimmungen kein Einzelfall ist. Um so schwerer wiegen jetzt Bedenken, die gegen den geplanten weiteren Ausbau der Überwachungsmöglichkeiten im Sicherheitspolizeigesetz bezogen auf Einzelpersonen bestehen.

07.12.11 | 2 Kommentare

Schuldenbremse im Parlament: Placebo und Blankoscheck

Heute wurde die Schuldenbremse im Parlament diskutiert. Hat die Regierung noch bis vor kurzem Rating Agenturen als Zeugen für die Notwendigkeit angeführt, war das heute kein Thema. Offensichtlich hat sich herumgesprochen, dass die kein guter wirtschaftspolitischer Ratgeber sind, nachdem sie Pleitebanken vor der Wirtschaftskrise allesamt exzellent bewertet haben.

Jetzt wird mit “Sparen” argumentiert. Als ob man dafür eine Schuldenbremse bräuchte. Reformbedarf gibt es genug. Wußten sie, dass die Fa. Red Bull und die Fa Pfanner zu den größten Agrarsubventionsempfängern in Österreich gehören? Der Förderdschungel ist ein Topf voller Pfründe, den rot und schwarz gerne gönnerhaft verteilen. Privatpensionen werden mit einer halben Milliarde jährlich gefördert. Verzichtbar. Aber auch im Bereich der Doppelgleisigkeiten in der Verwaltung oder bei der Schulverwaltung, die der politischen Versorgung dient, gibt es Einsparungspotentiale. Statt sich diesen Reformen zu stellen, bevorzugen rot und schwarz das Placebo Schuldenbremse .

Wer aber nicht sagen kann oder will, wo gespart werden soll und auch zusätzliche Steuereinnahmen ausschließt, will einen Blankoscheck. Den kann es aber nicht geben. Wenn die Regierung einen Sanierungsbedarf von 9 Milliarden  in den Raum stellt ist klar, dass das nicht alleine ausgabenseitig aufgebracht werden darf. Das würde direkt in die Rezession führen und eine Spirale in Gang bringen: weniger Wirtschaftswachstum – weniger Steuereinnahmen – mehr Arbeitslosigkeit – mehr Ausgaben – weitere Budgetdefizite …

Wer sparen will soll die Verantwortung nicht an die Verfassung delegieren. Für Selbstentmündigung habe ich kein Verständnis.

05.12.11 | 2 Kommentare

Rehabilitierung der Opfer des Austrofaschismus kommt!

Nach den Wehrmachtsdeserteuren wird es demnächst einen weiteren beachtlichen zeitgeschichtlichen Rehabilitierungsakt geben.  SPÖ, ÖVP und Grüne haben sich auf die Rehabilitierung der Opfer des Austrofaschismus geeinigt. Damit werden Urteile, aber auch Bescheide auf Inhaftierung aufgehoben. Berühmte Freiheitskämpfer wie Koloman Wallisch sind damit künftig nicht weiter verurteilte Verbrecher.

Die Gespräche waren im September dieses Jahres noch gescheitert. Hauptkritik von mir war damals, dass nicht angesprochen wird, dass die Rehabilitierung gerade deshalb erfolgt, weil den Betroffenen Unrecht geschehen ist und die Republik auch den Einsatz für die Demokratie anerkennt.

Genau diese Punkte werden im vorliegenden Antrag jetzt berücksichtigt. Neben der grundsätzlichen Rehabilitierung wird klar zum Ausdruck gebracht, dass die strafrechtlichen Urteile oder Anhaltungen wie in Wöllersdorf gegen jene, die für die Demokratie eingetreten sind, Unrecht waren. Erfreulich ist auch, dass im Gesetz zum Ausdruck gebracht wird, dass jenen, die sich für die Demokratie eingesetzt haben besondere Achtung gebührt.

Der Einigung um eine Rehabilitierung sind zähe, aber in jeder Situation interessante Gespräche vorausgegangen. Wir waren sicher nicht immer ein einfacher Verhandlungspartner. Die Liebe zum „Detail“ wird man uns sicher nicht absprechen. Obwohl SPÖ und ÖVP das Gesetz auch ohne Grüne beschließen hätten können, haben sich die Präsidenten Prammer und Neugebauer dazu entschieden die Vorschläge der Grünen einzuarbeiten und damit auch vermittelt, dass es ein Anliegen ist, dieses Gesetz gemeinsam zu entwickeln. Mein Dank gilt auch den HistorikerInnen, die in einer Initiative mit Nachdruck den Rehabiltierungsschritt gefordert haben und mit ihrem Wissen unterstützt haben.

Zumindest zwei Freiheitskämpfer dürfen dieses Gesetz noch erleben. Einer davon ist Fritz Probst, der in Wöllersdorf interniert wurde.

Details und Chronologie der Rehabilitierung

02.12.11 | 0 Kommentare

Das war das Hearing zum Sicherheitspolizeigesetz im Innenausschuss

Im Innenausschuss wurde das Hearing zu den geplanten Verschärfungen im Sicherheitspolizeigesetz abgehalten. Heinz Patzelt von Amnesty International und die AnwältInnen Alexander Scheer und Elisabeth Rech (Rechtsanwaltskammer) haben den Gesetzesentwurf massiv kritisiert. Bezeichnend ist, dass sich gerade die stellvertretende Rechtsschutzbeauftragte des Innenministeriums Beate Stolzlecher-Hanifle und der Verfassungsschutz-Chef Peter Gridling für das Gesetz ausgesprochen haben. Wenn sich die stellvertretende Rechtsschutzbeauftragte und der BVT-Chef bei den Verschärfungen des Gesetzes einig sind, zeigt das, warum wir nicht darauf vertrauen, wenn der Verfassungsschutz durch den Rechtsschutzbeauftragten kontrolliert wird.

Meine kritischen Fragen konnten nicht zufriedenstellend beantwortet:

  • Wer glaubt ernsthaft, dass die erweiterte Gefahrenerforschung für Einzelpersonen Straftaten, wie jene von Franz Fuchs ernsthaft verhindern hätte können?
  • Warum werden Betroffene der erweiterten Gefahrenforschung nicht zumindest nachträglich informiert und bekommen die Möglichkeit die Zulässigkeit der Überwachung zu überprüfen?
  • Wie ist garantiert, dass bei der Datendokumentation von Polizeihandlungen durch das Streichen der Abfrage von Namen und sensiblen Daten, die Standards der personenbezogenen Speicherung nach dem Sicherheitspolizeigesetz nicht unterlaufen werden?
  • Was garantiert, dass bei der Observation mit technischen Mitteln tatsächlich nur Peilsender und nicht auch die Handyortung eingesetzt werden kann?
  • Was haben verwaltungsstrafrechtliche Bestimmungen bei Besetzungen mit Terrorismusbekämpfung zu tun?

Tatsache ist, dass es weder einen Bedarf für das Gesetz gibt, noch der versprochene Erfolg eintreten wird. Was bleibt ist die Missbrauchsgefahr. Immerhin hat aber zumindest auch BVT-Chef Gridling zugestanden, dass er gegen die Verbesserung des Rechtsschutzes nichts einzuwenden hat.

Das Gesetz soll am 2. Februar im Innenausschuss diskutiert werden. Ob es noch Änderungen geben wird, ist offen.

28.11.11 | 2 Kommentare

Schuldenbremse?

Seit zwei Wochen sucht die Regierung verzweifelt eine Oppositionspartei, die ihr bei der Schuldenbremse hilft. Offensichtlich braucht die Regierung zum Sparen die Opposition. Mit dem Finanzrahmengesetz, das in der EU als vorbildhaft gilt, gibt es ohnedies bereits ein ausgezeichnetes Instrument zur Ausgaben- und Einnahmenplanung. Man müsste halt wollen. Und dann gibt es auch noch die Maastricht-Kriterien, die das Budgetdefizit mit 3 % begrenzen. Außer in schweren Krisenzeiten – da macht es auch Sinn, um die Rezession nicht zu multiplizieren – hat Österreich diese Grenze stets eingehalten.

Amüsant ist, dass die Bundesregierung zu uns Grünen um die verfassungsrechtliche Schuldenbremse jammern kommt. Während FPÖ und BZÖ schon seit Jahren die Schuldenbremse fordern, haben die Grünen diese stets kritisiert und bereits einmal als ökonomischen Unsinn verhindert. Wie und in welcher Höhe ein Budget saniert wird, ist ein gesellschaftspolitischer und ökonomischer Aushandlungsprozess und keine verfassungsrechtliche Frage. Der Neoliberalismus hat politisch versagt. Wenn Armeen in die Defensive kommen, sprengen sie auf ihrem Rückzugsgefecht Brücken und Straßen, um ihre Herrschaft zu verlängern. Der Neoliberalismus will über eine Schuldenbremse mit der Verrechtlichung seiner absoluten Spardoktrin seinen Einfluß auch nach der politischen Niederlage sicherstellen.

Die Bundesregierung appeliert gerne an die Verantwortung der Opposition. Selbst hat man verantwortungslos gehandelt. Wer den Finanzmärkten die Schuldenbremse, wie eine Knackwurst hinhängt ohne dafür überhaupt eine Mehrheit verhandelt zu haben, soll nachher nicht mit der Nervosität der Finanzmärkte argumentieren.

25.11.11 | 1 Kommentar

Rechtsextremismus: Verfassungsschutz und Innenministerium ohne Strategie

Im Innenausschuss ist das Desaster des Bundesamts für Verfassungsschutz (BVT) und des Innenministeriums im Kampf gegen die rechtsextreme Kriminalszene offensichtlich geworden. Im gesamten BVT arbeiten rund 530 Personen. Meine Frage, wie viele sich davon mit der rechtsextremen Szene auseinandersetzen, brachte eine skurrile Situation ans Tageslicht. Es gibt im BVT keine Beamten, die speziell der Beobachtung des Rechtsextremismus zugeordnet sind. Nach einer Schrecksekunde wurde mir dann aber versichert, dass 25 Beamten ein “besonderes know-how” bezogen auf Rechtsextremismus hätten. Zusammengefasst heißt das, dass es im BVT keine Spezialisten gibt, die sich spezifisch mit der rechtsextremen Kriminalszene auseinandersetzen. Das erklärt wahrscheinlich auch, warum letztes Jahr eine internationales Rechtsextremisten-Treffen in Oberösterreich komplett verschlafen wurde. Erst nachdem der “Dorfgendarm” um Hilfe gebeten hatte, wurde ein auf die Drogenszene (!) spezialisierter Beamte hinbeordert.

Das BVT und das Innenministerium unterschätzen die rechtsextreme Szene. Während man sich intensiv mit der islamistischen Szene beschäftigt, sind die rechtsextremen Straftaten in Österreich gefährlich explodiert. Meine Frage an die Innenministerin, ob es in Österreich schon Todesopfer der rechtsextremen Kriminalszene gibt, konnte sie nicht beantworten. Tatsache ist, dass es bei drei Todesfälle in Traun, Wien und Klagenfurt rechtsextreme Tatmotive geben dürfte. Auch sind fünf Fälle von Brand- oder Sprengstoffanschlägen auf Asyl- oder MigrantInneneinrichtungen in Österreich bekannt. Deutschland ist ein warnendes Beispiel. Innenministerium und BVT sind dringend gefordert eine Strategie gegen den Rechtsextremismus zu entwickeln.

22.11.11 | 11 Kommentare

25 Jahre Grüne, was denkt ihr darüber?

Wir Grüne feiern morgen “25 Jahre im Parlament”. Ich bin überzeugt, dass die Grünen vieles in dieser Republik verändert und beeinflusst haben. Auch ohne Regierungsbeteiligung waren wir in vielen Fragen eine bestimmende Kraft.

Wo stünde diese Republik nach 25 Jahren blauer Brachial-Antiausländerpolitik, wenn die Grünen nicht oftmals ohne Rücksicht auf Wahlergebnisse gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck Stellung bezogen hätten? Dort, wo breite Teile der SPÖ in Deckung gegangen sind, haben Grüne den Kopf gegen den rechten Sturm gehalten.

Das Thema Umweltpolitik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zuerst wurden unsere Ideen ins Lächerliche gezogen, als das nichts geholfen hat, bekämpft und jetzt wird so getan, ob ohnedies immer alle für die Umwelt eingetreten sind. Keine Frage auch das ist ein Erfolg über den man sich freuen darf.

Wer verteidigt BürgerInnenrechte  im Parlament, wenn nicht die Grünen? In Österreich hat es nie eine Revolution gegeben – es fehlt jede Sensibilität für Grundrechte – die Grünen leisten trotzdem schon jahrelang verlässlich Widerstand gegen den ausufernden Überwachungsstaat.

Wer würde in Österreich Korruption aufdecken oder in welcher Partei hat es in 25 Jahren keinen einzigen Korruptionsfall gegeben? Während die FPÖ als selbsternannte Partei der Sauberkeit Stammgast in den Gerichtssäle ist und sich an den Futtertrögen der Politik bedient, kontrollieren grüne Abgeordnete in zäher Kleinarbeit die Mächtigen dieser Republik.

Vier Beispiele, die zeigen, dass Grüne nicht wegzudenken sind. Manches ist uns gelungen, anderes muss aber auch besser werden. Wir gehören zu den stärksten Grünparteien in Europa, da wir aber vieles verändern wollen, dürfen wir damit nicht zufrieden sein.

Ich würde mich freuen, wenn euch/sie dieser Text zu Kritik und Lob an den Grünen anregt. Was ist deine/ihre Meinung? Wo waren die Grünen gut – wo sollen sie besser werden?

17.11.11 | 6 Kommentare

Wien: höhere Gebühren für Kurzparken. Hart, aber richtig!

In Wien werden die Gebühren für das Kurzparken angehoben. Niemand nimmt gerne jemanden etwas weg. Eine Steigerung der Gebühr für Kurzparkscheine um 40% ist hart, aber richtig. Innerhalb der Kurzparkzonen ist fast  jeder Quadratmeter optimal mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Wer das Auto verwendet, leistet sich in der Regel einen Luxus, der etwas kosten darf. Jene, die nicht auf das Auto verzichten können – beispielsweise wegen einer Behinderung – sind ohnedies ausgenommen. Mit der Verbbilligung der Jahreskarte haben die Grünen darüber hinaus einen weiteren Anreiz zum Umstieg auf den umweltfreundlichen öffentlichen Verkehr gesetzt.

Der Effekt dieser Maßnahme ist dreifach gut. Es wird weniger unnötige Autofahrten geben, was die Feinstaubbelastung, die besonders für Kinder gefährlich ist, reduziert. Es wird mehr Parkplätze für AnrainerInnen geben, die zusätzlich mit einer Verbilligung des Parkpickerls entlastet werden. Die Einnahmen erhöhen den budgetären Spielraum für Kindergärten, Volksschulen und andere wichtige Anliegen der Kommunalpolitik.

Bleibt noch die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit von Gebührenerhöhungen. Gebührenerhöhungen haben prinzipiell eine negative Verteilungswirkung, was aber gerade beim hochsubventionierten Autoverkehr kein Argument ist. Jede Cent, der in das Auto fließt hat ebenfalls eine negative Verteilungswirkung, denn je höher das Einkommen ist, um so eher bzw. mehr PKWs gibt es pro Haushalt.

Die Erhöhung der Kurzparkgebühren ist ein mutiger Reformschritt, wie in den letzten Monaten von der Politik vielfach gefordert. Obwohl Gegenwind zu erwarten ist, hat sich rot-grün etwas getraut, was am ersten Blick nicht populär ist, aber einen mehrfach positiven Effekt hat.

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