Mit ihrem Sager, „außerdem bauen wir gerade enorme Feindbilder in Europa gegen die Banken und die Reichen, die Vermögenden auf. So was hatten wir schon einmal, damals verbrämt gegen die Juden, aber damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint. Es hat das zweimal in einem Krieg geendet“, sorgt Finanzminister Fekter für Empörung. Nüchtern betrachtet liegt Fekter falsch:

  1. Bei der Hetze der Zwischenkriegszeit waren tatsächlich Juden und nicht – wie von Fekter behauptet – ähnliche Gruppierungen gemeint.
  2. Fekter reproduziert eine Mischung aus konstruiertem NS-Klischee vom reichen Juden und rechtsextremer Rechtfertigungsrhetorik. Die Wahrheit ist, dass die NS-Rassenideologie alle Juden – egal ob reich oder arm – gemeint und ausgelöscht hat.
  3. Fekter verharmlost die Progromstimmung der Zwischenkriegszeit, wenn sie einen Vergleich zur gegenwärtigen Kritik an Banken oder der Forderung nach stärkerer Besteuerung von Vermögenden zieht.

Wenn jetzt ÖVP-Generalsekretär Rauch meint, man kritisiere Fekter nur, weil man sie ins rechtsextreme Eck schieben möchte, ist das falsch. Fekter ist und bleibt eine gestandene Konservative. Genau das ist das Problem. Wenn derartiger Unsinn aus der Mitte der Gesellschaft kommt zeigt sich, wie wenig nationalsozialistische Vorurteile und Bilder aufgearbeitet wurden. Fekter ist ein Kind der Nachkriegszeit und ihrer Versäumnisse. Das erklärt und rechtfertigt nichts. Wer Ministerin ist, hat die Pflicht sein historisches Wissen über das Schulbuchniveau der 1960er-Jahre hinaus weiter zu entwickeln.

3 Kommentare bis jetzt.

  1. grill sagt:

    pogrom nicht pro….

    buchempfehlung: „ich bin dafür, die sache in die länge zu ziehen.“
    robert knight, die Wortprotokolle der österreichischen Bundesregierung von 1945 bis 1952

  2. Michael Jank sagt:

    1) In der Zwischenkriegszeit waren auch andere Gruppen gemeint, nicht nur die Juden.
    Feinde waren auch Zigeuner, gläubige Katholiken, politische Gegner u. v. m.
    Vergl. Aussagen von Hitler, Goebbels, Heß usw.
    2)
    …den Juden war lange das traditionelle Handwerk vorenthalten. – Es war ihnen lange nicht gestattet, einen Handwerksberuf zu erlernen.
    So wurden viele Juden Unternehmer, Bänker, Angestellte im Versicherungswesen usw.
    Ausgerechnet jene Berufsgruppen, welche halt unmittelbar mit „viel Geld“ zu tun haben.
    Hinzu kommt, dass die Juden für gewöhnlich fleißige Leute waren bzw. sind.
    Fleißig und Reich kombiniert ist natürlich der gute Nährboden für Ärger, Neid und Twist bei den anderen Menschen!
    Werden dann in einer wirtschaftlichen und sozialen Not gemeinsame Feindbilder gesucht, so eigenen sich derartige Leute perfekt dazu, sie auch gleich Pauschal zu verurteilen.
    3)
    Der Vergleich ist zwar etwas über das Ziel hinausgeschossen, aber ob die Leute heutzutage „gescheiter“ sind als damals, das wage ich zu bezweifeln.

  3. Michael Jank sagt:

    …und heutzutage sind sicher nicht nur die bösen Speklulanten, Bänker und Wirtschaftstreibende schuld.
    „Gier“, „Neid“ und ähnliches sind Untugenden, die sehr viele Menschen haben, egal ob reich oder arm. Der Unterschied ist: Die einen sitzen eben am Geld und richten damit Schaden an und die anderen sitzen nicht am Geld und können halt nur beschränkt Schaden anrichten. -Da ist es halt dann der Neid, weil der andere Arbeitskollege 100 € mehr verdient als selbst.

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