Warum ich bei der Frauen-WM zu Deutschland halte

Der gelernte österreichische Fußballfan weiß: zu Deutschland halten – das geht gar nicht. Da Österreich sich seit Jahrzehnten kaum für fußballerischen Großereignissen qualifiziert hat, bestand das Vergnügen oft darin auf viel zu seltene Blamagen der deutschen Mannschaft zu hoffen. Ich gebe  zu, dass sich das schon in den letzten Jahren geändert hat. Auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, der sympathischen Mannschaft von Jogi Löw habe ich heimlich schon bis zum Semifinale alles Gute gewunschen. Dort war dann für mich aber emotionale Endstation.

Jetzt ist alles anders. Ich will, dass Deutschland die Frauen-WM gewinnt. Über 70 000 ZuschauerInnen bei einem Frauenfußballspiel verdient den Weltmeistertitel. Es gibt eine tolle Euphorie in unserem Nachbarland. Die Medien berichten positiv und verzichten auf dumme oder sexistische Vergleiche zum Männerfußball. Ein Weltmeistertitel der Deutschen würde im Unterschied zu einem Erfolg der Brasilianerinnen oder Amerikanerinnen vielleicht den längst überfälligen Boom im mitteleuropäischen Frauenfußball auslösen. Auch in Österreich. Rapid und Austria verzichten leider – im Unterschied zum FC Bayern -  nach wie vor auf Mädchen- und Damenmannschaften. Sponsoren- oder öffentliche Fördergelder gibt es praktisch nicht. Dabei hat der österreichische Serienmeister im Frauenfußball Neulengbach im Unterschied zur Red Bull-Millionentruppe aus Salzburg in den letzten Jahren schon den Einzug in die Champions Liga geschafft. Die Deutschen haben vorgezeigt, wie es geht. Dafür wünsche ich ihnen den WM-Titel.