Unsere Bundessprecherin Eva Glawischnig hat ein Verbot von Zigarettenautomaten gefordert. Hintergrund der Forderung war, dass der Jugendschutz nicht funktioniert. Österreich ist Europameister bei den jungen RaucherInnen. Das ist unerfreulich –  ob da aber Verbote wirklich weiterhelfen darf bezweifelt werden. Nicht jede Entwicklung die unerfreulich ist, darf zu neuen Verboten führen. Genau das hat für Diskussionen gesorgt. Der Standard titelt jetzt „Aufstand bei den Grünen …„. Das ist stark übertrieben. Aufstände sehen anders aus.

Ich werde aber immer wieder gefragt, ob die Grünen keine anderen Sorgen oder Themen haben. Selbstverständlich. Am gleichen Tag des „Tschickautomaten“-Vorstosses ist eine Studie erschienen, die kurz zusammengefasst auf den Punkt bringt, dass die Reichen in Österreich immer reicher werden. Als hätte es keine Wirtschaftskrise gegeben, ist das Vermögen der Superreichen um fast 10 % im letzten Jahr gewachsen und zwar dreimal so schnell, wie die Gesamtwirtschaft. Von derartigen Lohnzuwächse kann eine durchschnittliche ArbeitnehmerIn nur träumen. Das hätte man natürlich thematisieren können. Die Wahrheit ist aber: Das regt auch niemanden auf. Es ist schon symptomatisch, dass in Österreich über den Verbot von Tschickautomaten leidenschaftlicher und platzgreifender diskutiert wird, als über soziale Ungerechtigkeiten. Mir ist die Forderung und die übertriebene Empörung darüber gleicher Maßen fern .

7 Kommentare bis jetzt.

  1. Erich Reder sagt:

    Sg. Hr. Steinhauser!
    Glauben Sie allen Ernstes, dass nur ein einziger Jugendlicher weniger raucht, wenn es keine Zigarettenautomaten mehr gibt?
    Die Grünen sollten lieber ihre Drogenpolitik überdenken, denn diese gibt berechtigten Anlass zur Sorge.
    http://www.erstaunlich.at/index.php?option=com_content&view=article&id=1213:haschisch-ja-zigaretten-nein&catid=1:erstaunliches
    MfG

  2. Pinga sagt:

    Ich finde es erstaunlich, dass man beide Themen am gleichen Tag präsentiert bzw. wurde diese Studie von den Grünen überhaupt thematisiert!? Das Erste, was ich die letzte 2 Tage auf der HP der Grünen als Erstes lesen konnte, war „Verbot…“ Waren wohl nicht die Poster, die dem soviel Gewicht beimessen, sondern die Parteispitze. Darum frage ich mich: Gibt es in Österreich nicht wichtigere Themen? V.a. ist es mir ein Rätsel, wie man das Momentum hin zu grünen Themen wie Atomausstieg etc. bei Euch nicht besser nutzt??? Warum schaffen es die dt. Grünen? Die haben ja fantastische Umfragewerte, und hier wird weiter gegrundelt, und noch dazu mit solchen Verbotsideen die eigene Stammwählerschaft vor den Kopf gestossen, die ja eigentlich eher liberal eingestellt ist.

  3. Tom Schaffer sagt:

    „Das hätte man natürlich thematisieren können. Die Wahrheit ist aber: Das regt auch niemanden auf.“

    Das halte ich für eine gravierende Fehldiagnose zur Situation.

    Dass nun über das Tschickautomatenverbot statt diese Studie diskutiert wird, ist die Schuld der Grünen, die mit einem komplett sinnlosen, emotionalisierten Thema vorgeprescht sind, und damit das Gerechtigkeitsthema vollständig verdrängt haben.

    Zumal ich echt keinen Grund sehe, etwas zu machen, nur um Aufregung zu erzeugen. Lieber Prügel für Tschickautomaten einzustecken und langfristig dem eigenen Image zu schaden, als mit einer Gerechtigkeitsdiskussion im kleineren Rahmen zu punkten, ist hirnlos – sonst aber auch schon nicht viel.

  4. asteinhauser sagt:

    Die Studie ist nicht von den Grünen – war also Zufall, dass sie am gleichen Tag bekannt wurde und nur ein Beispiel von mir, dass es natürlich auch andere Themen gibt. Ich teile aber nicht Tom Schaffers Meinung, dass wegen der Grünen die Studie medial verdrängt wurde. Sie wurde berichtet, es hat nur niemand – JournalistInnen, BloggerInnen, PosterInnen oder WählerInnen – empört darauf reagiert. Man hätte Tschickautomatenvorstoß ignorieren können und sich an der Millionärsstudie abarbeiten können. Hat man aber nicht und das war kein Zufall. Ich bleibe dabei: Regt eben leider (!!!) niemanden auf …

  5. Thomas sagt:

    Die Verbotsforderung wurde von den Grünen aktiv gepusht (man stellt sie ja schließlich), die Studie nicht thematisiert, und daran wird jetzt „Österreich“ an sich die Schuld gegeben? Die Grünen hätten einfach die absurde Forderung lassen und etwas zu der Studie machen sollen (Aktionismus anyone?)…

  6. wolfgang sagt:

    Noch vor kurzer Zeit haben wir die Freigabe weicher Drogen gefordert. Noch immer fordern wir ein allgemeines Wahlalter mit 16.

    Die Forderung der Parteispitze nach Verbot von Zigarettenautomaten zum Schutz der unmündigen Jungend ist kein Zufall und kein Unfall.

    Es ist auch in keinem Fall eine sinnloses Nebenthema. Es ist ein durchaus alamierendes Sympthom einer puritanischen Tendenz die sich seit geraumer Zeit in unserer Bewegung einschleicht und sie immer stärker um sich greift.

    Wir waren natürlich schon immer der Überzeugung im Besitz der Wahrheit zu sein. Jetzt wo die meisten von uns heranwachsende Kinder haben werden wir ein wenig ungedulig mit dem Durchsetzen unserer Wahrheit.

  7. Tom Schaffer sagt:

    @asteinhauser

    Wenn die Chefin einer österreichischen Parlamentspartei sich mitten im Sommerloch hinstellt und die Raucher attackiert (mit einem Vorstoß, dessen Sinnhaftigkeit selbst ich als klarer Rauchverbot in Lokalen-Befürworter in Zweifel stelle), dann ist das das Titelthema. Wenn euch das vorher nicht bewusst war, dann bitte dringend neue Berater installieren. Da hilfts nichts, hinterher die Medien und die Öffentlichkeit anzuprangern, weil sie nicht die Studie groß diskutieren, sondern das was ihr aktiv gepusht habt. Das war einfach ein klassisches Eigentor (und wie man sieht ein schwerwiegendes, weil dieser Topfen nun als Symptom für die Probleme der ganzen Grüne Bewegung herhält).

    Das weißt du auch. Welcher Politiker wünscht sich, dass das Land über irgendwas anderes spricht, als über den Vorstoß der eigenen Parteispitze? Einer, der ihn selbst nicht für sonderlich super hält.

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