Grüne Kritik oder Nabelschau

Heute ist im Standard ein Artikel  unter der Überschrift „Grüne Kritik am Kurs der Partei“ erschienen. Kritik ist produktiv. Was aber überrascht ist der Umstand, dass die zitierten Kritiker mit Ausnahme von Freda Meissner-Blau alle Mitglieder des engsten Führungsgremiums der Grünen dem Bundesvorstand sind. Die geäußerte Selbstkritik trifft teilweise zu. Ja, wir sind bei Gerechtigkeitsfragen nicht der erste Adressat für die Sorgen der Bürger/innen. Ja, wer in Umfragen gut abschneidet, aber an der Wahlurne verliert hat ein Mobilisierungsproblem. Ja, in einigen Bereichen haben wir beim Grünen Personal Baustellen.

Es bringt nichts Wahlniederlagen „schön“ zu reden. Genau so wenig wird man aber dafür gewählt, dass man ständig erklärt, was schlecht läuft. Analysen nach Niederlagen sind wichtig, wenn sie treffsicher sind und konkrete Lösungsvorschläge anbieten.  Die Mitglieder des Bundesvorstands der Grünen sollen daher nicht lamentieren, sondern Verantwortung übernehmen. Was macht man, um die Organisationsstrukturen (Bezirke und Gemeinden) an der Basis auszubauen? Wie erlangt man in Zeiten der Wirtschaftskrise Themenführerschaft? Wie kann man die Personaldecke der Grünen verbreitern? Um die Antworten sollte man sich kümmern. Eine Grüne Nabelschau hilft kaum weiter. Grüne, die sich vor allem mit sich selbst beschäftigen, braucht nämlich niemand.

2 Kommentare

  • By gerhard summer, 07.06.10 @ 13:50

    sehr geehrter herr steinhauser,

    ich stimme ihnen zu, grüne, die nur mit sich selbst beschäftigt sind, braucht niemand. aber eines müssen sie auch zugeben: so wie es zuletzt lief, kann es auch nicht weitergehen.

    daher ist es doch besser, sich kurz mit sich selbst zu beschäftigen, um dann mit geklärten inneren fronten, geeint und mit voller kraft in die so wichtigen wahlen im herbst zu ziehen.

    mit freundlichen grüßen,
    gerhard summer

  • By Gast, 07.06.10 @ 21:56

    S.g. Hr. Steinhauser,
    Sie fragen: “Wie erlangt man in Zeiten der Wirtschaftskrise Themenführerschaft?”

    Ich würde sagen: Da wo´s am meisten brennt zu löschen versuchen. Nicht bei den Zigaretten, sondern mit einer 1. Arbeitslosenkonferenz. (Bei den Grünen gerade in Arbeit). Mit einer Prüfung der sozialen und gesetzlichen Missstände, Verfassungswidrigkeiten und Menschenrechtsverletzungen die mindestens eine Million Arbeitslose betreffen.

    Viele Grüße

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