Missbrauchsopfer: Forderungspaket an die katholische Kirche

In der letzten Woche ist über die katholische Kirche ein Tsunami an Missbrauchsfällen hereingebrochen. Vermutlich war das nur die Spitze eines Eisbergs. Die Entschädigung der Opfer ist keine Rechtsfrage, sondern eine Frage des Anstands. Ich erwarte mir, dass die Kirche jetzt im Interesse der Opfer und im eigenen Interesse weitere konkrete Schritte setzt:

  • Schaffung einer unabhängigen Untersuchungskommission, der sämtliche bei der katholischen Kirche befindlichen Hinweise auf bisher vertuschte Missbrauchsfälle übergeben werden. Die vertuschten Missbrauchsfälle gehören aktiv aufgearbeitet und das von einer unabhängigen Stelle.
  • Entschädigung der Opfer durch die katholische Kirche mit der Schaffung eines Opferfonds. Die psychischen und physischen Schmerzen der Opfer müssen entschädigt werden.
  • Abwicklung der Entschädigung über den Opferfond durch eine kirchenunabhängige Kommission. Die Kirche soll die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die Vergabe muss aber durch kirchenunabhängige Stellen erfolgen, weil die katholische Kirche nicht unbefangen, sondern tief involviert ist.
  • Entschädigung der Opfer unabhängig von Verjährungsfragen.
  • Selbstverpflichtung der Verantwortungsträger der katholischen Kirche bei bekannt werden von Missbrauchsfällen Anzeige zu erstatten.

Ich werde in einem Brief an Kardinal Schönborn dieses Forderungspaket thematisieren. Es ist im Interesse der Opfer, aber auch im Eigeninteresse der  katholische Kirche diese Schritte zu setzen. Glaubt man die Missbrauchsdebatte aussitzen zu können, wird zu prüfen sein, wie weit durch Gesetze verfassungskonform die katholische Kirche zu diesen Schritten verpflichtet werden kann.

siehe auch Mittagsjournal vom 15.3.2010

2 Kommentare

  • By Klaus Knoll, 16.03.10 @ 11:12

    ich halte ihre idee einer unabhängigen untersuchungskommission für den bei weitem besten vorschlag in der bisherigen diskussion. kontakt mit einer kirchlichen stelle käme für mich nicht in frage, und auch einer nur kirchlich bestellten, ansonsten unabhängigen, ombudsperson würde ich mich nur sehr begrenzt anvertrauen wollen. da beim sexuellen missbrauch durch autoritätspersonen insbesondere das zwischenmenschliche vertrauen zerstört wird, scheint mir dieses detail von großer bedeutung.

    hintergrund: ich bin eines der vielen missbrauchsopfer, von denen derzeit überall die rede ist. jesuiteninternat aloisianum, linz-freinberg, österreich, 1966-1970. der bis zur versetzung des täters in die jugendseelsorge(!) wien vier jahre andauernde physische, psychische und sexuelle missbrauch durch einen ordensbruder hat in meinem leben zu zahlreichen und teilweise unbeschreiblichen verwerfungen und verwüstungen geführt. erst nachdem ich schon viele jahre in anderen, für mich weniger belastenden und belasteten kulturen gelebt hatte (japan, hong kong, hawai’i), konnte ich vor zwei jahren die wahre natur des vorgefallenen aufdecken. ich habe letzten sommer bei einem besuch in österreich meinen täter konfrontiert und er hat trotz der bekannten verjährungsfristen das vorgefallene zumindest indirekt gestanden. seither sehe ich den menschen wieder vermehrt in die augen.

    klaus knoll, honolulu

  • By Linke Andreas, 31.03.10 @ 09:44

    Ich würde den Herrn Schönborn fragen ob er auch die Opfer entschädigt die sich nicht gemeldet haben und die bei der Kirche bekannt sind.

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