Österreich: Selbstjustiz gefragt

Eine Trafik wird überfallen, der Täter vom Trafikanten erschossen. Die Volksseele stilisiert ihn zum Helden – manche forden gleich eine aufgerüstete Selbstbewaffnung von Geschäftleuten. Kritische Stimmen vermisst man. “War ja eh nur ein Verbrecher, da muss man schon schießen dürfen – selber Schuld …”

In Krems erschießt im Sommer ein Polizist einen Supermarkteinbrecher. Die Justiz untersucht den Fall und erhebt auch Anklage gegen den Polizisten wegen fahrlässiger Tötung. Eine Facebookinitiative fordert jetzt “Freispruch für die Polizisten von Krems”. 8717 Unterstützer/innen soll sie schon haben.

Seltsames Österreich. Rechtsstaat egal. Gesetze egal. “Einen Einbrecher wird man doch noch niederschießen dürfen”. Als Motto gilt “wir brauchen kein Gericht, solange die Selbstjustiz funktioniert”.

Das Rechtsstaatsempfinden ist in Österreich offensichtlich vollkommen unterentwickelt. Daran hat auch die Politik Mitschuld. Das vorgelebte Rechtsstaatsempfinden der österreichischen Politiker/innen hält sich in engen Grenzen. Da darf man sich über den österreichischen Hang zur Selbstjustiz nicht wundern.

2 Kommentare

  • By Günther, 13.01.10 @ 01:04

    Wir brauchen keine Selbstjustiz solange die Gerichte funktionieren.

  • By denker, 13.01.10 @ 09:41

    Genau da könnte das Problem liegen. Das Vertrauen in Justiz und Polizei ist massiv gesunken. Alles wird kaputt gespart. Bei der Justiz bekommt man den Eindruck, dass es sich manche richten können. Die angesprochene Selbstjustiz ist die Folge des Versagens der Politik. Eine fatale Entwicklung.

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