Was darf die Kirche?

Gestern hat das Parlament die eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. Die Reaktion der Kirche folgte prompt. Ihr Bischof Küng  bedauerte in einer Aussendung den Ausgang der Abstimmung. Er befürchtet nun, dass eine Türe geöffnet wurde, die letztendlich zu einer völligen gesetzlichen Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe zwischen Mann und Frau führen wird.

Da stellt sich schon die Frage, ob die Kirche wirklich tagespolitische Angelegenheiten kommentieren soll. Demokratiepolitisch darf sich jeder äußern. Aber will die Kirche wirklich wieder zurück zu Zeiten, wo sie von der Kanzel herunter politisiert? Offensichtlich schon. Damit erweist sie sich aber einen schlechten Dienst. Wer die Politik tagespolitisch kommentiert, muss sich auch gefallen lassen, dass die Kirche in die tagespolitischen Auseinandersetzungen hineingezogen wird.

Ein anderer Teil der Kirche “die Diakone” macht gegen den Karikaturisten Deix mobil.  Es wurde eine Anzeige “wegen der Herabwürdigung religiöser Lehren” eingebracht. Offensichtlich haben seine Gottesdarstellungen nicht allen gefallen. Das hatten wir doch schon? Wer erinnert sich nicht an den Konflikt um die Mohamed-Karikaturen. Damals haben die extremen Teile des Islam mobil gemacht. Katholische und islamische Fundamentalisten haben mehr gemeinsam als ihnen bewusst ist. Die Religionsfreiheit gehört geschützt, der Strafparagraph “Herabwürdigung religiöser Lehren” aber abgeschafft.

9 Kommentare

  • By Blogleser, 11.12.09 @ 21:49

    Aber die Kirchenorganisation Caritas darf schon tagespolitische Stellungnahmen zur Asylpolitik abgeben, oder?

  • By asteinhauser, 11.12.09 @ 21:55

    Selbstverständlich. Es ist ein Unterschied, ob sich die Amtskirche oder kirchennahe Organisationen bzw. Laienvereinigungen zu Wort melden. Wenn der katholische Familienverband gegen die eingetragene Partnerschaft wettert muss ich mich damit abfinden.

  • By nikivb, 12.12.09 @ 14:51

    Es wird nicht möglich sein, der römischen Kirche zu verbieten, tagespolitische Kommentare abzugeben – egal, ob “Amtskirche” oder irgendeine kirchliche Unterorganisation. Die Stellungnahme zu den eingetragenen Partnerschaften finde ich genauso eklig wie du, aber letztlich ist sie nur eine Selbstbeschädigung, die für mich unverständlich ist: was, “um Himmels Willen”, hat so eine zivilrechtliche Vereinbarung mit einer kirchlichen Ehe zu tun? Solche Kommentare führen nur dazu, dass immer weniger Leute diese Kirche ernst nehmen.

    Außerdem eine große Bitte: wenn du die römische Kirche meinst, dann schreib bitte römisch oder katholisch dazu. Andere Kirchen, zum Beispiel meine evangelische, sehen diese Partnerscheften positiv, wenn auch noch verbesserungsbedürftig. Auch wenn wahrscheinlich jeder versteht, was du meinst, finden sich die Angehörigen anderer Kirchen in einen Topf geworfen, in dem sie nicht sein wollen.

  • By JH, 12.12.09 @ 20:59

    Sie werden wohl nicht meinen, dass SIE irgendwem was verbieten dürfen, nämlich der Kirche …
    Wenn sich Religion im Leben nicht meldet und nicht bewährt, ist sie überflüssig – oder Esotherik …

    Und das Deix-Gekritzel ist in dem Fall meiner Meinung nach wirklich Klump … wer will das sehen … wer verteidigt das … halten sie die Kreuzesdarstellung mit Hackenkreuz für verteidigungswürdig oder eine besonders intellektuelle Karikatur …

  • By Christian Schreiter, 13.12.09 @ 01:41

    “Die Kirche” gibt es nicht. Du meinst offensichtlich die römisch-katholische Kirche. Dann muss man das aber auch so schreiben. Viele andere Kirchen (wie z.B. nikivbs evangelische oder meine altkatholische) stehen in ihren Meinungen manchmal diametral gegen jene der römisch-katholischen Kirche. Unsereins ärgert es aber sehr, dauernd in einen Topf mit den Römern geworfen zu werden. Wobei selbst dort die Mehrheit ja nicht fundamental ist, so wie Küng und Konsorten.

  • By asteinhauser, 13.12.09 @ 13:38

    Lieber nikivb und Christian Schreiter!
    1. Da habt ihr Recht. wenn man die “Kirche” kritisiert, sollte man sie auch genau bezeichnen. Sorry!
    2. Ich teile auch die Einschätzung, dass zumindest ein Teil der röm. kath. Kirche sich mit den kritisierten Aussagen nicht identifiziert. Meine Kritik gilt den “Würdenträgern”. Und die agieren tatsächlich immer wieder fundamentalistisch.
    LG
    AlbertSteinhauser

  • By asteinhauser, 13.12.09 @ 13:49

    Sehr geehrter JH!
    Wenn sie mir vorwerfen, dass ich jemand generell den Mund verbieten will, haben sie nicht genau gelesen. Ich schreibe: “Demokratiepolitisch darf sich jeder äußern”. Die Frage, die ich aufwerfe, ist, ob die Kirche Tagespolitik machen soll?
    Ob Deix gefällt oder man den Inhalt teilt, ist, wie bei jeder Malerei Geschmackssache. Für Geschmack und Meinung sollte nicht das Strafrecht zuständig sein.
    MfG
    Albert Steinhauser

  • By Christian Schreiter, 13.12.09 @ 16:30

    “Die Frage, die ich aufwerfe, ist, ob die Kirche Tagespolitik machen soll?”

    Jeder der mag kann sich zur Tagespoltitk äussern – auch ‘die Kirche’. Wo kämen wir hin, wenn dem nicht so wäre?!

    “Ob Deix gefällt oder man den Inhalt teilt, ist, wie bei jeder Malerei Geschmackssache. Für Geschmack und Meinung sollte nicht das Strafrecht zuständig sein.”

    Stimmt. Hat aber nichts damit zu tun, ob man sich zur Politik äussern darf oder nicht.

  • By asteinhauser, 13.12.09 @ 23:34

    Es geht nicht um “dürfen” oder “mögen”. Es geht darum, ob man es begrüßt oder akzeptiert, wenn von der Kanzel aus Politik gemacht wird und Bischöfe quasi als politische Akteure auftreten (zB. Abstimmungen im Parlament kommentieren). Die katholische Kirche hat sich zeitweise auch als Lehre aus der Geschichte bewusst aus der Tagespolitik fast gänzlich zurückgezogen. Offensichtlich stört eine tagespolitisierende Kirche nicht alle. Mich schon und dafür kritisiere ich sie.

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