Minarettverbot?
Am Sonntag haben sich die Schweizer in einer Volksabstimmung mehrheitlich für ein Minarettverbot ausgesprochen. Da ist es nur eine Frage der Zeit bis diese Debatte nach Österreich importiert wird.
Minarette sind mir an sich egal. Weder gehen sie mir ab, noch stören sie mich. Entscheidend ist, was unter der Kuppel gepredigt wird. Religiöse Extremisten im Islam brauchen kein Minarett – ihnen genügt meist ein Kellerstüberl. Das haben die selbsternannten Kulturkämpfer noch nicht erkannt. Sie haben sich der architektonischen Landschaftspflege verschrieben.
Wir brauchen aber keinen Kulturkampf gegen den Islam unter dem Deckmantel einer Minarettdebatte, sondern eine Auseinandersetzung mit den reaktionären Strömungen im Islam. Liberalismus und falsch verstandene Toleranz werden nicht weiterhelfen. Extremistische Haltungen, wie Kopftuchgebote oder Gottesstaatsfantasien sind aber ein Problem, dass schon gar nicht mit der Bauordnung zu lösen ist. Das Kulturkampfgeschrei der Rechten wird den islamischen Fundamentalisten dann auch die harmlosesten Gläubigen zutreiben.
Eine politische Auseinandersetzung mit den reaktionären Teilen des Islam und Perspektiven sind gefragt. Ersteres geht nur gemeinsam mit den aufgeschlossenen Migrant/innen. Sie sind glaubwürdig und unverdächtig. Zweiterem stehen die Rechtsparteien, aber auch die Regierungsparteien im Weg. Ihre Politik der Ausgrenzung nimmt vielen Migrant/innen Chancen auf einen Aufstieg und treibt sie den Extremisten auf ihrer Perspektivensuche direkt in die Arme.
2 Kommentare
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By carlo, 30.11.09 @ 16:13
Es ist eine Gradwanderung. Einerseits muss man diesen Tendenzen wie in der Schweiz entgegen wirken. Als Linker sollte man den Islam aber auch nicht unkritisch und unreflektiert verdeitigen. Das kann man am glaubwürdtigsten, wenn man auch die katholische Kirche kritisiert, wenn das notwendig ist. Da könnten die Grünen sich manchmal mehr trauen.
By denker, 30.11.09 @ 17:23
Stimme dem Blogbeitrag inhaltlich zu. Vielleicht sollte man ergänzen, dass der größere Teil der islamischen Gläubigen auch nur “gelegenheitsreligiös” ist, der kleinere Teil regelmäßig das Freitagsgebet besucht und nur ein kleinster Teil extremistische religiöse Weltbilder vertritt.